Ein Neuling berichtet - Oliver Stock in Norwegen
Im April 2003 fahren wir mir Gastfahrern aus Berlin und Dresden von Dänemark mit der Fähre nach Norwegen, um mit unserer Mannschaft die erste Rundfahrt für Nordland-Hamburg zu bestreiten.
In einem international gut besetzten Feld mit 187 Rennern wird uns an der Bergwertung nach 100 Kilometern das erste Mal gezeigt, wo unsere Schwächen liegen: Peter und ich kassieren 29 bzw. 45 Minuten auf den letzten 57 Kilometern des Tages.
Am zweiten Tag geht es bei Regen nach wenigen Kilometern einen langen Zieher hoch, so daß Peter und ich uns gleich in der Ortsgruppe mit einigen Norwegern und anderen Deutschen wiederfinden. Da diese Gruppe allerdings durch Aufgaben und unterschiedliche Leistungsstärken recht schnell wieder zerfällt, sind wir froh, daß wir bei der zweiten Bergwertung des Tages (Kilometer 76) mit viel Glück und Improvisation Anschluss an das Grupetto mit ca. 40 Fahrern finden.
Heute zeigt unser Gastfahrer Udo Müller das erste Mal, daß er sich für Höheres empfehlen möchte und kommt aus einer Spitzengruppe heraus auf den 7. Platz im Tagesklassement.
Heute wird mit einer Bergankunft wohl die Vorentscheidung an der Spitze fallen, was mir persönlich allerdings ziemlich egal ist: während die Konkurrenten noch Pinkelpausen machen, um sich anschließend wieder problemlos ins Feld einzureihen, habe ich schon Probleme während des neutralen Starts. Als dann im Anstieg der reale Start erfolgt, bin ich froh, daß ich vorne im Feld fahre und auf der Kuppe ein nicht allzu großes Loch habe.
Da ich aber bei 4° C und Schneeregen irgendwie überhaupt nicht in Tritt komme, ist das Peloton schon vor der ersten Bergwertung (Kilometer 56) außer Sichtweite.
Peter hat es dann zu diesem Zeitpunkt erwischt. Da er aber noch einige Leidensgenossen um sich hat, kann er gerade noch vor Ende der Karenzzeit den Ringkollen erreichen. Schön, daß ich zum ersten Mal einen Skilift samt dazugehörigen Schnee aus der Nähe erleben kann, lediglich der UCI Kommissär ist nicht mehr zu sehen... Unser GK-Fahrer Udo verliert heute nur wenige Sekunden auf die Topfahrer, Peter bleibt im Rennen und ich muß an 142. Position im Gesamtklassement (von 143 !) liegend, das Rennen wegen verpasster Zeitbegrenzung beenden.
Das Wetter heute ist noch schlechter als gestern, was eigentlich unmöglich sein sollte. Ich habe heute meine Trainingseinheit so gelegt, daß ich meinen Mannschaftskollegen bei der ersten Bergwertung (Kilometer 49) entgegenkomme, um sie dann anzufeuern.
Während ich aber auf der falschen Straße aus dem Ort fahre, sitzt Peter bereits nach wenigen Kilometern, der Fahrerin des Besenwagens Karina zulächelnd, im geheizten Auto. Udo fährt heute ein klasse Rennen, kommt auf den siebten Tagesrang und verbessert sich damit im Gesamtklassement auf den 13. Rang.
Heute geht es nach 104 „Aufwärmkilometern“ auf die zehn Finalrunden. Dabei soll ein 24%iger Wirtschaftweg hinter unserem Hotel zehn Mal erklommen werden!
Während sich einige einen 25er oder gar 27er Rettungsring ans Rad wünschen, bestimmt die Jury, daß wegen der Streckenführung lediglich 8 der 35 Materialwagen auf die Schlußrunden gehen dürfen. Hierbei geht es nicht nach Gesamtklassifikation, sondern nach Schumacher-Fähigkeiten – Ludjo ist also dabei!
Udo fährt wieder gut mit, verpasst aber den Sprung an die Spitze. Er kann zwar einen guten 12. Gesamtrang erreichen, das Wunschziel von einem Platz unter den ersten 10 verfehlt er aber denkbar knapp. Denny konnte heute wegen eines dicken Halses nicht an den Start gehen, unser Sprinter Daniel kämpft sich bravourös den Riperbakken hoch und Sebastian beendet seine erste UCI-Rundfahrt.
Am Start für Nordland-Hamburg waren: Udo Müller, Denny Schewe, Daniel Strauch, Sebastian Freese, Peter Lemke, Oliver Stock und Christian Schneider, Dominik Güttler als Sportliche Leiter.