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Aerotour de Tunisie 2005


vom 24. November bis zum 3. Dezember

Ein Bericht von Oliver Stock


Es ist mal wieder soweit: bereits zum dritten Mal fliegen wir mit unserer Mannschaft nach Tunesien, um dort an einer Rundfahrt teilzunehmen. Während in Deutschland die kalte Jahreszeit genutzt wird, mit Querfeldeinrädern die Waldwege unsicher zu machen, freuen wir uns auf sonnig warmes Wetter.

Unsere Fahrer Bodo Azzouz und Bert Su (Harburger RG), Andre Kalfack und Olli Stock (SV Dassow 24), Vladi Riha (RRG Bremen), Markus Weinberg und Philip Geracik (Dresdner SC) werden von Hoppi und Janet betreut.

Während die meisten Aktiven und Begleiter bereits am 22. November anreisen, bekommen Bodo, Bert und ich nur einen Flug für den 23. November, welches der Vortag des Starts ist. Und es läuft schon hier alles andere als optimal: erst kommen trotz langer Diskussion unsere Funkgeräte nicht durch den Zoll und dann ist niemand vor Ort, der uns abholt.

Einige schnelle Telefonate und schon sitzen wir im Taxi nach Tunis – es ist mittlerweile nach Mitternacht, bei einer Startzeit von 08:30 Uhr nicht mehr lange hin. Nach mehr als zwei Stunden Autofahrt ab Monastir wollen wir unserem Fahrer das Hotel zeigen, geht aber nicht, weil er nicht entgegen der Einbahnstraße fahren will. Das Hotel ist dann auch falsch, anschließend erfolgt noch eine Personenkontrolle durch einen der vielen Polizisten, die die ganze Nacht über in Tunesien an allen Kreiseln oder Kreuzungen ein paar Dinar dazu verdienen.

Im Bett liegen wir dann um 03:30 Uhr, unsere Räder schlafen im Radkoffer. Nach dem Frühstück sortieren wir unsere Sachen neu und machen uns samt Material bereit zur Abfahrt. Wir sind dann auch um 08:30 Uhr fertig, nur schade, daß fast alle anderen um 08:00 Uhr gemeinsam Richtung Start losgefahren sind. Wir fahren einfach mal drauf los und da die Rundfahrt Aerotour heißt, schlagen wir den Weg Richtung Flughafen ein. Gar nicht so schlecht, aber doch nicht hundertprozentig richtig. So kann unser Betreuer Hoppi am Steuer unseres Begleitwagens gleich mal zeigen, was er drauf hat: er manövriert das Auto entgegen der Fahrtrichtung auf einer dreispurigen Stadtautobahn und quert dann eine Verkehrsinsel mit einem wirklich sehr, sehr flach aussehenden Kantstein.

Endlich am Startort angekommen, werden wir kurz eingewiesen, erhalten von Janet unsere Trinkflaschen und müssen uns von unseren langen Radsachen trennen: es war so übel kalt (11° C), daß wir zittern und den Start herbeisehnen. Es gibt vorher noch eine kleine Ansprache des Organisationskommitees, zu der auch der deutsche Botschafter Dr. Schmidt angereist ist, um uns eine gute Fahrt und viel Erfolg zu wünschen.


1. Etappe Tunis – Monastir über 175 Kilometer

Es wird erst einmal neutral gestartet, was uns nicht unbedingt aufwärmt. Vor den Toren der Stadt gibt es endlich den scharfen Start und es wird etwas schneller gefahren. Bei dem herrschenden starken Wind ist es nur eine Frage der Zeit, wann sich das Feld auf der Kante zerlegen würde. Wir sind aufmerksam, haben aber in einer guten Gruppe keinen Fahrer dabei, so daß wir gezwungen sind, von vorne zu fahren. Fast haben wir die Ausreißer gestellt, doch als wir das Tempo nicht mehr hoch halten, werden Attacken gefahren.

In einer neuen Verfolgergruppe, die später den Anschluß an die Spitze herstellt, ist Kalle vertreten, allerdings nur solange, bis ihn der Wind von der Straße weht und er sich etwas irritiert aus dem Straßengraben heraus wieder aufrappelt. Nicht das erste Malheur an diesem Tage: kurz nach dem Start gerate ich in einem Kreisel auf eine Spur ausgelaufenen Kraftstoffs und vermesse gekonnt den Asphalt. Bodo macht kurz darauf mit einem tunesischen Warndreieck Bekanntschaft, welches hier landesüblich aus größeren Felssteinen und einigen kleinen Ästen besteht und einfach auf die Straße gestellt wird. Die Folge ist ein Hinterrad mit irreparablem Felgenschaden.

Im Feld wird nun keine Verfolgung mehr gefahren und die Vorentscheidung im Klassement fällt ohne uns: die Spitze fährt einen Vorsprung von über 15 Minuten heraus! Philip will dieses Schicksal nicht teilen und beginnt eine 100 Kilometer Solofahrt, welche ihm immerhin drei Minuten Vorsprung auf das Feld brachte. Vladi ist ein wenig enttäuscht, gemessen an seiner Leistung, die er später in den Bergen bringen sollte, auch zurecht – er wäre gerne auf Klassement gefahren.

Im Hotel angekommen, stellt sich der Hunger recht schnell ein, wir sind inklusive der neutralen Phase immerhin 200 Kilometer unterwegs gewesen, also kurz duschen und dann zum Essen. Gesagt und fast getan: mit geliehenen Klamotten und rutschender Hose bestätigt man mir an der Rezeption auf Anfrage, daß mein Gepäck tatsächlich noch in Tunis ist (!) und nun per Bote nachgebracht wird – vielleicht hätte ich mehr schlafen sollen.


2. Etappe Monastir – Sfax über 145 Kilometer

Auch heute ist es vor dem Start wieder sehr kalt, durch den erneut sehr starken Wind gibt es aber sofort hart gefahrene Staffeln, die uns aufheizen. Schließlich gibt es einige Gruppen, die sich vom Feld lösen können und zusammen den Sieg unter sich ausmachen. Kalle und Markus sind dabei, haben aber im Sprint auf das falsche Pferd gesetzt, sie werden mit anderen Fahrern auf dem 7. Platz gewertet. Philip, Vladi und ich erreichen 4 Minuten später das Ziel, Bodo und Bert treffen sichtlich erschöpft 17 Minuten nach dem Sieger ein. Für Bodo bis hierher schon ein Erfolg, da er seit den Cyclassics nicht mehr so viel trainieren konnte.

Da es sich bei Sfax um eine Industriestadt handelt, wäre eine Besichtigung eher uninteressant, so daß ich meinen Zimmerkollegen überzeugen kann, einen kleinen Mittagsschlaf abzuhalten, den wir auch wirklich gebrauchen können.


3. Etappe Sfax – Gabes über 139 Kilometer

Heute kommt der Wind größtenteils von vorn, was aber nicht heißt, daß man mal entspannt draufliegen kann. Immer wieder gibt es einige arabische Spezialisten, die in Lücken reinfahren, die es gar nicht gibt.

Im Rennen entstehen wieder viele Gruppen, in der ersten spinten Kalle und Philip um den Tagessieg, leider gibt es nur einen vierten Platz. Markus kommt mit dem Gelben 8 Minuten später, Vladi und ich 11 Minuten und Bert 15 Minuten nach dem Sieger ins Ziel.

Da Bodo nicht in der Ortsgruppe fährt, vermuten wir, daß er aufgegeben hat: weit gefehlt! Als Letzter kommt er mit insgesamt 27 Minuten Rückstand in Gabes an und startet gleich durch, um zum Empfang des Bürgermeisters anwesend zu sein. Die servierte Cola hat er sich wirklich verdient, da er heute keine Getränke erhalten hat.


4. Etappe Gabes – Djerba über 172 Kilometer

Die Rennstrecke des vierten Tagesabschnitts führt uns über eine Brücke auf eine sehr bekannte Touristeninsel: Djerba. Bevor wir aber in einer fantastischen Ferienanlage das Essen genießen dürfen, steht erst einmal ein harter Ritt an. Die äußeren Bedingungen sind die gleichen, wie die Tage zuvor: am Start 12° C , die sich trotz Sonnenschein sehr kalt anfühlen und unterwegs bläst strammer Wind. Durch die Streckenführung heute auch mal von hinten.

Als das Rennen richtig losgeht, schlafen Vladi und ich etwas, wir müssen mit einigen Fahrern ganz schön ackern, um wieder nach vorne zu kommen. Dort hat sich mittlerweile ein Grüppchen mit Markus aus dem Staub gemacht, die bis ins Ziel nicht wiedergesehen werden. Vielleicht fehlt Markus noch die Rennpraxis, mit seinem 6. Platz ist er nicht zufrieden.

Im Feld ist Vladi jetzt warm gefahren, er fährt als Aufpasser in einer Verfolgergruppe, während Kalle aus persönlichen Gründen gegenüber einem tunesischen Fahrer das Tempo im Feld macht: ein wenig Rückenwind ist dabei, aber der Tacho zeigt die ganze Zeit 55 km/h und mehr. Wenn Kalle auf den Zwölfer zurückschaltet, können wir uns hinten ganz leicht erholen, dann geht es weiter. Nach mehr als 15 Kilometern ist das Spektakel vorbei, weil die Straße nach links abgeht und die Kante das Feld sprengt.

Vladi erreicht mit 2:30 Minuten Rückstand das Ziel, Philip und Kalle mit 4 Minuten, ich halte mich an den Gelben und verliere 8 Minuten. Während wir uns trockene Klamotten anziehen, können wir verfolgen, wie Bert mit Bodos Hilfe den Sprint des Grupettos gewinnt. Laut Klassement gibt es dafür 5 Minuten Bonifikation :-) Bodo spürt auch heute wieder seine Arschbacken kräftig, reißt sich aber zusammen!

Mit einem Gastgeschenk vom Stadtrat in der Tasche geht es auf die Fahrt zum Hotel. Es sollen 12 Kilometer sein, wir fahren mehr als eine Stunde... Kalle sagt mir noch, es wäre es jetzt weniger gut, einen Hungerast zu bekommen. Ich werde es morgen spüren!

Untergebracht werden wir in einer riesigen Ferienanlage mit Terrasse und Blick aufs nahe Meer. Das Buffet ist überdimensional und daher für uns Radrenner erst nach den Touristen freigegeben. Hier läßt es sich leben, der Erholungsfaktor ist hoch. Schade daß es morgen schon wieder weiter geht.


5. Etappe El Jorf – Matmata über 112 Kilometer

Nach dem Frühstück werden unsere Räder auf LKW´s verladen und ein kleiner Transfer steht an. Wer zuerst kommt, sichert sich einen Sitzplatz in einem der Begleitfahrzeuge... Wir setzen mit der Fähre über, laden die Räder ab und schon wird die Etappe gestartet. Von Anfang an gibt es Attacken und ich jage erstmal mit 20 Abgehängten dem Hauptfeld hinterher. Die anderen haben weniger Probleme mit diesen Kaltstarts und schonen sich für die anstehenden Wellen.

Weit vor den Hügeln schaffen wir den Anschluß und verschwenden unsere Kraft auf einer der unzähligen Kanten. Trotzdem bezweifle ich, daß ich es mir angewöhne, neben der Straße zu fahren, um besseren Windschatten zu bekommen. Die Einheimischen sind da unempfindlicher und legen eine Crosseinlage nach der nächsten hin, Defekte sind da natürlich vorprogrammiert.

Als es dann bergauf geht, kann ich feststellen, daß meine Schaltung nicht richtig funktioniert, ich fahre mit 42/21. Bei Steigungen von teilweise mehr als 15% nicht immer ganz so leicht. Meine Konkurrenten müssen sich nicht so sehr anstrengen . Während Kalle nach einem Defekt wieder nach vorne fährt, kann ich ihm nicht folgen und bleibe in der Ortsgruppe. An der Spitze kann der Rückstand auf den Ausreißer trotz Windschatten durch Juryfahrzeuge nicht in Grenzen gehalten werden: auf wenigen Kilometern fährt der Sieger mehr als drei Minuten Vorsprung heraus, für uns uninteressant, da es ohnehin niemand mehr auf das Gesamtklassement abgesehen hat.

Vladi wird immer stärker und fährt auf einen guten zehnten Platz, allerdings muß er zum ersten Mal Fahrer beobachten, die am Auto hängen – hinten soll das öfter mal passieren. Unser Hotel liegt abgeschieden in bergiger Umgebung, die Zimmer sind in den Fels geschlagen und auch ohne Heizung angenehm warm. Das könnte die erste Nacht ohne kalte Füße werden.


6. Etappe Matmata – Kebili über 128 Kilometer

Beim Frühstück dürfen wir heute den Sonnenaufgang erleben. Es wird uns eine grandiose Aussicht auf die felsige Landschaft geboten, die Schatten und die von der Sonne beschienenen Stücke lassen das Ganze wie eine unnatürliche Gegend erscheinen, fast wie auf dem Mond.

Nach diesem Spektakel warten wir direkt vor dem Hotel, in der wärmenden Sonne sitzend, auf den Startschuß. Da es nach wenigen Kilometern gleich bergauf geht, hätte ich mich wohl besser warm gefahren! Da ich mich auf meine eigenen Kräfte verlassen will und muß, schaffe ich nach dieser winzigen Welle nicht wieder den Anschluß ans Hauptfeld und fahre mit Bodo und Bert in einer Gruppe.

Vorne kommt es heute zum ersten Massenspurt, in dem wir leider keiner von uns unter den ersten fünf vertreten ist. Alle weiteren Fahrer werden auf den sechsten Platz gesetzt. Wir ziehen Jacken an, setzen uns unsere Mützen auf und legen die gut 30 Kilometer zum Hotel mit dem Rad zurück.

Kurz frisch gemacht, das Essen inhaliert und Bodo wirbelt trotz Autotransfer in Radklamotte um uns herum: er hat Vierradkräder (Quads) zum Hotel bestellt, für einen Mittagschlaf bleibt keine Zeit.

Es soll einen kleinen geführten Ausflug durch die Wüste geben. Den ersten Kilometer bis zur Sahara fahren wir hintereinander, weil unser Tourenführer aber kein Interesse an einer sportlichen Fahrt zu haben scheint, gibt es erste Überholversuche. Das paßt ihm natürlich gar nicht und er hält die ganze Gruppe an, um uns zu erklären, daß wir uns an die Spielregeln halten sollen. Diese ungewollten Zwischenhalte wird es noch des öfteren geben...

Als es dunkel wird, treffen wir wieder am Hotel ein. Wir sind alle hellauf begeistert und bieten dem Verleiher an, die Kräder zu seiner Garage zu fahren; besorgt lehnt er unser Angebot ab. Vor dem Abendessen müssen wir noch einmal unter die Dusche, da wir Sand in den Schuhen, Augen und der Unterhose haben.


7. Etappe Kebili – Tozeur über 98 Kilometer

Heute wird es für uns einen besonderen Tag geben: wir werden mit 8 (!) Fahrern an den Start gehen. Da unser Betreuer Hoppi die letzten Tage nicht ausreichend Zeit für eine kleine Ausfahrt hatte, schließt er sich den Rennern an. Organisatorisch ist dies in Tunesien dann auch kein Problem, lediglich die Distanz ist für ihn nicht optimal, da alles über 80 Kilometer eher zu lang ist.

So ist es Markus, der um den Sieg mitsprintet und Zweiter wird. Er glaubt, mit einem frühen Antritt siegen zu können, aber vielleicht kennt man seine Taktik noch aus dem Frühjahr. Die Stimmung ist jedenfalls sehr gut und da die Spitze lediglich 2:02 Stunden für dieses Teilstück gebraucht hat, steht der Nachmittag für Unternehmungen zu Verfügung. Wir besuchen eine Burg, den örtlichen Markt und das Internetcafe.


8. Etappe Tozeur – Tamarza über 68 Kilometer

Laut vorläufigem Ettappenplan sollte es heute lediglich einen Bustransfer über 350 Kilometer geben. Da dies wohl zuviel Ruhe für die Fahrer bedeuten würde, gibt es dann doch zwei Halbetappen, zu allem Überfluß bei Sturm, Regen und bitterkalten 9°C. Dusche nach den Etappen: Fehlanzeige! Aber was uns nicht umbringt,...

Markus liebt dieses Wetter, kann sich aber nicht erfolgreich lösen. Kalle fühlt sich so gut, daß er den Druck aufs Pedal erhöht. Als Folge seiner guten Form kapituliert sein Tretlager, welches in der Mittagspause im Restaurant gewechselt wird.

Nach meinem Muskelkater in den letzten Tagen fühle ich mich heute wieder stärker und fahre mit dem Gelben in einer Gruppe, bis dieser uns auf der Kante sprichwörtlich zerlegt: es kommt zu einem Sturz, so daß ich im Morast neben der Strecke steckenbleibe. Mein Rad ist bis zum Tretlager weg und mein linker Schuh ist voller Dreck.

Ich würde gerne Wasser vom Auto haben und einige Kilometer später sehe ich unseren Wagen: er steht neben der Straße und steckt fest! Mehr als eine halbe Stunde muß auf den Abschleppdienst gewartet werden.

Kurz vor dem Ziel geht es einen kleinen aber steilen Hügel hoch. Er ist zu erklimmen, oben würde ich aber gerne ins Auto steigen: grobe, schlechte Straße, dazu viel Lehm und vor allem Nässe lassen die Abfahrt unangenehm werden. Kurz vor dem Ort dann noch eine Baustelle, die von den Rennern enorme Fahrkünste abverlangt.

Mein Rad sieht schlimmer aus, als nach einem Crossrennen im Matsch. Da es keine Dusche gibt, überlege ich ersnthaft, nachmittags nicht mehr anzutreten.


9. Etappe Tamarza – Gafsa Kilometer über 98 Kilometer

Nach einem erstaunlich leckeren Mittagessen mit tunesischen Spezialitäten, die dann auch sehr fettig waren, stelle ich fest, daß es keinen Transportraum für mein Rad gibt. Außerdem ziehe ich mich während einer Regenpause um und bin wieder optimistisch.

Ganz im Gegensatz zu vielen anderen Teilnehmern: es gehen nur noch 37 Fahrer an den Start, Nordland-Hamburg als einzig komplette Mannschaft mit allen sieben Fahrern.

Kalle mag sein neues Tretlager und fährt ab. Mit 2 Minuten Vorsprung acht Kilometer vor dem Ziel, sollte es eigentlich unser erster Sieg werden. Der Veranstalter glaubt jedenfalls daran und stellt die bei der Siegerehrung zu überreichenden Schecks auf Andres Namen aus.

Fünf Kilometer vor dem Ziel ist der Abstand allerdings dahin, eine sieben Mann starke Gruppe fährt ihn auf. Wenigstens ist Markus dabei und sprintet so auf den zweiten Rang. Taktik wie gestern, Resultat wie gestern. Bei Kalle kam einfach nur der Mann mit dem Hammer, er verliert noch 30 Sekunden auf diese Gruppe und wird Achter.

Nach einer erneuten Umkleide auf der Straße geht es sehr zügig in den klimatisierten (!) Bus und wir werden nach Le Kef gefahren. Alle frieren und essen Baguette. Abends um 22:30 Uhr erreichen wir unser Hotel, duschen, essen und belassen die Räder auf dem Transport-LKW. Morgen ist ja auch noch ein Tag.


10. Etappe Le Kef – Tabarka über 123 Kilometer

Das Wetter ist eigentlich wie immer: Start bei sonnigen 13°C, später bis 21°C warm. Nach 70 Kilometern beginnt die Anfahrt auf den Berg. Vorne gibt es einen Deutschen, der mit knapp zwei Minuten Vorsprung in den 15 Kilometer Anstieg hineinfährt: Kalle hat es heute bereits nach 25 Kilometern gejuckt und er ist auf und davon gefahren.

Leider ist der Berg und vor allem der Weg doch ein wenig zu lang für den wenig trainierenden Inhaber des Rad-Centers-Dassow. Er gewinnt aber mit Vladis Unterstützung den Sprint des Hauptfeldes, der selbst noch siebter werden kann.

Ich wünsche den Klassementfahrern zu Beginn des Anstieges eine gute Fahrt und bin die meiste Zeit auf mich allein gestellt, nachdem die Klinkenfahrer mich passiert haben. Auf den letzten Kilometern leisten mir zwei Libyer abwechselnd Gesellschaft. Der eine an meinem Hinterrad, der andere holt was zu trinken, nach einem halben Kilometer hat mein Windschatten Durst und sein Mannschaftskamerad schließt zu mir auf. Das wiederholt sich einige Male, bis wir uns endlich die lange Abfahrt hinunterstürzen können. Ich verliere auf den letzten 50 Kilometern des heutigen Tages lediglich 10 Minuten auf das Feld und bin zufrieden.

Als Belohung empfinde ich das heutige Hotel: ein 4-Sterne Paradies mit Blick aufs Meer und riesigem Nahrungsangebot. Die Zimmer sind beheizt und ich genieße meinen Mittagsschlaf. Danach geht es noch zum Wahrzeichen der Stadt. Es ist eine Burg, in der der Film "Der Legionär" gedreht wurde und welche ab dem nächsten Jahr für den Tourismus freigegeben werden soll.


11. Etappe Jebel Oust – Hammamet über 82 Kilometer

Schade, daß mir auf Busfahrten immer schlecht wird, sonst hätte ich die Schlußetappe sicherlich mehr genießen können. Leider steht Bert heute nicht mehr am Start, da sich eine Entzündung im Knie derart verschlechtert hat, daß es eigentlich schon vor drei Tagen sinnvoll gewesen wäre, die Tour abzubrechen. Aber Radrenner sind halt aus einem besonderen Holz geschnitzt.

Die erwartete Champagnerfahrt wird es ganz und gar nicht, da der Gelbe lediglich zwei Sekunden Vorsprung hat. Es geht schnell los und nach wenigen gefahrenen Kilometern setzt sich eine vierköpfige Gruppe ab, in der Markus vertreten ist. Seine Taktik ist bekannt, nur als ich 800 Meter vor dem Ziel einen Kreisel sehe, ahne ich nichts Gutes.

Aber weit gefehlt: vom Siegerpodest strahlt ein Markus mit der Sonne um die Wette. Auch können sich einige Funktionäre an seinen Sieg der Schlußetappe vom April erinnern. Das Finale wird heute von ihm etwas anders gefahren, er wartet bis hundert Meter vor dem Ziel und läßt mit einem starken Antritt seinen Fluchtgefährten keine Chance. Der Stärkste im Feld ist ein weiteres Mal Andre, der sich auch über einen Sieg gefreut hätte, aber von Markus schon morgens zu hören bekommen hatte, wenn er ins Ziel komme, trinke dieser bereits aus dem Siegerpokal.

Am Abend gibt es in einem großen Hotel eine würdige Siegehrung. Der erst 19-jährige Tunesier Rafaa Chtioui, der bereits Junioren-Vizeweltmeister war, gewinnt alle drei Wertungstrikots und hat sicherlich noch eine große Karriere vor sich.

Wir sind mit unseren Leistungen zumeist sehr zufrieden, gemessen an der Jahreszeit eher über die Topplatzierungen positiv überrascht, genau wie Bodo über sein Durchhalten. Ein besonderer Dank geht an Janet und Hoppi, die ihr bestes getan haben, um uns die Strapazen soweit wie möglich zu erleichtern.

Bevor es zurück nach Hause geht, haben wir noch einige Tage zur Verfügung, in denen wir die Altstadt Monastirs besuchen und uns vorzustellen versuchen, wie der zweite Advent wohl in der kalten Heimat verbracht wird.