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Dji Sam Soe Tour d'Indonesia 2005


UCI Asia Tour Kat. 2.2 vom 11. - 21. September

Peter Lemke berichtet


Fünf Freunde

Unsere Mannschaft Nordland-Hamburg trifft sich am Flughafen von Jakarta: innerhalb von einer halben Stunde treffen alle unsere Fahrer von drei verschiedenen Kontinenten ein. Andrew Willis kommt aus Austin / Texas, Kenji Leung aus Hong Kong / China, Loh Sea Keong, "Mr. Loh", aus Kualar Lumpur / Malaysia und Oliver Stock ist mit mir über Frankfurt auf die lange Reise gegangen. Christoph Thieme wird uns dieses Mal als Sportlicher Leiter begleiten und am Vorabend des Rennens eintreffen.

Eine Runde zum Einrollen am heutigen Tag wird für mich gleich zum Fiasko: Im Megastau der 16 Millionen Einwohner fassenden Metropole verliere ich die anderen und gerate in die Dunkelheit. Gegen Mopedschwärme kämpfe ich mich gegen den Linksverkehr, den ich heute erst kennengelernt habe, auf einer achtspurigen Straße zurück zum Hotel. Ein Wahnsinnsverkehr!


Jakarta Stadtrundfahrt

Heute machen wir eine Schaufahrt durch die Metropole Jakarta. Der gesamte Renntross geht in den Trikots des Förderers Dji Sam Soe auf eine eskortierte Tour durch die Stadt. Dafür erhalten alle Mannschaften die eigens angefertigte goldene Sportbekleidung im Stile des Tabakkonzerns Dji Sam Soe. Jeder Mannschaftsname ist eigens aufgedruckt.

Überhaupt ist alles großartig aufgezogen: Plakate und Fahnen säumen die gesamte Strecke. An einem Sportstadion fahren wir ein und es findet eine Präsentation aller teilnehmenden Mannschaften auf einer Bühne statt. Für die Medien und Ehrengäste gibt es ein Schattenspendendes Zelt in der ersten Reihe.

Es werden 17 Mannschaften und Fahrer aus 14 Nationen erwartet. Da freuen wir uns, dabei und ein weiteres mal für Hamburg am Start zu sein. Es liegen neun Etappen von Jakarta über ganz Java bis Denpasar auf Bali mit über 1400 Kilometern vor uns.

Im Anschluß an diese Präsentation erfolgt eine Busfahrt nach Bandung, dem Start der ersten Etappe. Wir bekommen einen Vorgeschmack auf die Landschaft, die Bevölkerung auf dem Lande und auf den Straßenverkehr. Und auch auf die vor uns liegenden Anstiege. Heute hoffe ich, tief und fest zu schlafen. Die letzten zwei Nächte konnte ich nicht einschlafen, obwohl ich sehr müde war. Ich fühle mich auch sonst ziemlich schlapp und verspannt nach 40 Stunden Anreise.


Etappe 1: Bandung - Cirebon über 134 Kilometer

Die erste Etappe ist die leichteste

Nach 10 Kilometern steht ein erster Anstieg auf dem Programm, nicht sehr lang und nicht allzu schwer, vielleicht drei bis vier Kilometer. Alle sind hochmotiviert und wir starten im 50er Tempo. Die Nordland-Hamburg Fahrer kommen gut mit rüber. Es folgt eine lange Abfahrt und danach geht es im Höllentempo weiter. Ich hänge an Andrew dran und wir bleiben in der Hauptgruppe. Wir rasen mit weit über 60 km/h durch die erste Sprintwertung.

Eine alte Eisenbahnbrücke bildet unterwegs einen Engpass. Sie ist mit losen Bohlen belegt, damit wir drüberfahren können. Leider liegen die Bohlen in Längsrichtung, so daß sich durch das Gerumpel die Fugen öffnen. Ich bin vorne, doch hinten müssen sie absteigen. So bin ich auf einmal in einer Ausreißergruppe, doch ich führe nicht mit. Ich möchte keinen Vorteil hieraus ziehen und lasse die starken Jungs rackern, und das tun sie nach Kräften! Wenn, dann werde ich mich zum Ende an der Arbeit beteiligen, es sind noch nicht mal 100 Kilometer gefahren. Nach ein paar Kilometern werden wir aber wieder eingeholt. Olli kommt zurück in unsere Gruppe und zum Ende wird es etwas ruhiger, als man die Ausreißergruppe nicht mehr stellen möchte. Das Rennen endet nach 135 Kilometern im Sprint einer 20-köpfigen Gruppe. Mr. Loh, unser Jüngster, verliert heute etwas Zeit, da er sich am Beginn etwas verschätzt hat. Was soll`s, er ist gerade mal 18 Jahre alt.

Verdammt, am Nachmittag fühle ich mich unwohl, entweder habe ich einen Sonnenstich oder der Magen will rebellieren. Letzteres ist der Fall, aber schnell entledige ich mich und es geht mir wieder besser. Aber Oliver hat es übel erwischt, ihm geht es schlecht und er gleicht einer Leiche. Auch Kenji und Fahrern anderer Sportgruppen geht es nicht gut. Heute gab es zum ersten Mal nur asiatisches Essen!


Etappe 2: Cirebon – Purwokerto über 188 Kilometer

Die erste Bergetappe

Die Strecke führt die ersten 100 Kilometer entlang der Nordküste Javas, bevor wir ins Innenland abbiegen werden. Es ist unglaublich heiß und schwül. Für Olli wird es heute ein schwerer Tag. Er konnte seit dem gestrigen Mittag nichts essen und befindet sich in schlechter Verfassung. Nach 25 Kilometern habe ich die erste Flasche leer getrunken. Ich leide unter der Hitze und spüre keine Energie. Ich wähle deshalb einen etwas zu großen Gang, um im Energiesparmodus zu fahren und die Muskelkontraktion zu verringern (Tip von Lance). Nach 50 Kilometern brauche ich schon neue Getränke. Ich treffe Oliver in der Wagenkolonne, der Pechvogel hatte schon einen Platten. Er sieht schlecht aus, kommt aber noch mal ins Feld, bevor er einer Tempoverschärfung zum Opfer fällt. Danach schleicht das Feld im Flachen wieder dahin, manchmal nur im 32er Tempo, doch ich empfinde es wie Renntempo.

Ich sitze im Peloton und kann nur selten einen Blick zur Seite werfen , wo das Meer einen Steinwurf neben uns liegt. Die Straße rollt gut, hat aber sehr regelmäßig Aufbrüche, daß ich mich auch sehr konzentrieren muß. Einmal stürzt ein Fahrer, weil er in ein Loch gerät und sein Lenker umschlägt, gerade als er sich verpflegt. Die Insel liegt unter einer Dunstglocke und es gibt keine Fernsicht. So sehen wir auch nicht den Berg, der vor uns liegt. Nach dem zweiten Sprint bei Kilometer 130 beginnt er dann. 650 Höhenmeter auf 10 Kilometern, na ja. Wir sind weichgekocht und der Berg ist ruppig. Es folgt eine Rampe nach der anderen, extrem steil.

Immer wenn man eine Steigung erklommen hat, kommt auch schon die nächste. Ich gehe bald fliegen und fahre mein eigenes Tempo. Manchmal 11, einmal 8 Kilometer pro Stunde, ich schaue gar nicht mehr runter, nur noch geradeaus, sonst wird mir schwindelig. Der 26er ist jetzt mein Normalgang. Ich fahre am Maximum und versuche, den Organismus und meinen Magen nicht kollabieren zu lassen. Meine Gedanken sind bei Oliver und ich weiß, daß er diesen Berg in dieser Verfassung niemals bezwingen wird. Ich spüre, wie der Schweiß in meinen Schuhen steht. Ich habe keine Augen für die vielen Zuschauer, die mich anfeuern und der Berg ist zum Glück im Dunst verborgen. Der Motor läuft auf Hochtouren, wie ein LKW im ersten Gang. Ein Fallwind kühlt mich runter, ich bin am Anschlag. Die Straße verläuft wie ein Lavastrom einfach der Landschaft folgend. Ich passiere einen Fahrer der im Gras sitzt und Krämpfe hat. Oben erwische ich eine kleine Gruppe.

Wir nehmen die gefährliche Abfahrt, wobei ich die anderen als Vorhut vorweg fahren lasse. Wir haben über 80 Sachen drauf, aber in einem Dorf müssen wir auf Schrittempo herunter bremsen und uns durch den Verkehrsstau kämpfen. Im Flachen haben auch die anderen Fahrer meiner Gruppe Muskelkrämpfe, nicht nur ich. Wir fahren schnell, aber von einer Jagd kann keine Rede sein. Ich spüre die Erschöpfung, der Berg hat alle Kraft und Energie gekostet, so ein hartes Rennen bin ich nicht oft gefahren.

Kenji hat heute großartig gekämpft, er konnte unterwegs nichts essen und ist bis Kilometer 160 gut mitgekommen. Dann ist er aber fürchterlich eingebrochen, daß ich ihn gar noch passiert habe. Nach 188 Kilometern sind wir in Purwokerto angekommen und ich bin froh, daß unser Masseur Margi mich mit einer Cola empfängt, ich bin total alle. Geduldig unterhalte ich mich mit einem HSV-Fan, der sogar deutsch spricht. Oliver mußte unterwegs das Rennen aufgeben, ich fühle Mitleid, schließlich hat er dieses Rennen geplant und mich kurzfristig noch zur Teilnahme ermuntert. Monatelange Arbeit und Vorfreude ist zerronnen. Aber auch hochgehandelte Spitzenfahrer mussten Tribut zollen und liegen jetzt sogar schon hinter mir im Rennen.

Dieses Rennen wird nicht nur durch Kraft und Ausdauer entschieden werden, sondern auch, wie man die Hitze verträgt und wie der Magen die Flüssigkeitsmengen verarbeiten kann. Beim Abendessen werden wir von einer Musikkapelle unterhalten. Morgen geht es über eine Bergwertung auf 1400 Metern Höhe, aber ich habe keine Sorge.


Etappe 3: Purwokerto – Jogjakarta über 205 Kilometer

Die zweite Bergetappe

Mr. Loh eröffnet das Rennen mit der ersten Attacke bei Kilometer Null und holt sich später Punkte bei der Sprintwertung. Heute fahren wir ja nur 205 Kilometer. Erst 100 Kilometer weiter sehe ich ihn wieder. Inzwischen sind wir im Anstieg zum Wonosobo. Der Pass liegt auf 1400 Metern Höhe. Der Berg ist gleichmäßig, aber sehr steil, vielleicht 1200 Höhenmeter auf 15 Kilometern. Am Fuß des Berges werde ich Opfer einer Tempoverschärfung. Ich falle ab, während der legendäre Iraner Ghader Mizbani von Giant Asia erst mal nach vorne fährt.

Im Berg finde ich eine gute Gruppe. Die Abfahrt soll gefährlich sein und ich will kein unnötiges Risiko eingehen. Zu unserem Elend wird die heutige Etappe nach Jogjakarta mit 215 Kilometern etwas länger ausfallen als angekündigt.


Etappe 4: Jogjakarta – Solo über 135 Kilometer

Die dritte Bergetappe

Heute geht es wieder hoch auf 1400 Meter, aber dafür ist die Etappe nur 135 Kilometer lang. Wir starten im 50er Tempo und es ist zunächst flach. Nach 45 Kilometern beginnt der Anstieg mit etwa 1200 Metern Höhendifferenz auf 12 Kilometern. Dieser Berg ist die Härte: er steigt an wie der Erste, ist gleichmäßig wie der Zweite, aber so verdammt steil! Ich sehe übelste Rampen vor mir und immer wenn ich dort angekommen bin, sehe ich, daß es unvermindert steil weiter bergauf geht. Irgendwann nach der Bergwertung geht es im Wechsel heftig bergauf oder bergab. Ich wechsle munter im Getriebe. Die Abfahrt gehen wir rasant an, 84 Sachen registriere ich. Ich passiere Fahrer mit Plattfüßen, die am Straßenrand auf ihre Materialwagen warten. Auch ich fahre in ein Loch, habe aber keinen Platten.Hinterher stelle ich fest, daß meine Felge einen Knick hat.

Nach der Abfahrt folgt ein fieses welliges Teilstück. Mit einem Indonesier hole ich Franck Terwel ein. Er war Elfter der niederländischen Zeitfahrmeisterschaften, also wird er treten können. Nur heute scheint er genauso mausetot wie wir zu sein. Irgendwoher kommt ein Filipino, vielleicht hatte er einen Platten. Die letzten 30 Kilometer führt er uns im 45er Tempo. Ich denke mir, ich sollte dran bleiben, es ist wohl genauso schwer, wie mit Frank im dreißiger Schnitt zu fahren. Also bleiben wir dran. Wir holen sogar noch die nächste Gruppe ein, in der auch Mr. Loh fährt. Andrew und Kenji mussten heute leider auch das Rennen aufgeben. Das indonesische Essen ist ihnen nicht gut bekommen. Ich habe das Gefühl, daß man dieses Klima nur bei echt guter Verfassung ertragen kann. Die Energie ziehe ich aus Unmengen von Cola.

Im Ziel in Solo (Surakarta) bin ich wieder völlig fertig, obwohl wesentlich kürzer, war diese Etappe genauso hart wie die vorherige. Ich lasse es mir allerdings nicht nehmen, im Zielbereich auf einem Elefanten zu reiten.

Ruhetag

Am Ruhetag entspanne ich. Ich suche nach den schönen Plätzen der Stadt, bin aber in den Vorstadtstraßen im Verkehrschaos gefangen. Nach einer Stunde bin ich wieder im Hotel. Bei einer Schlosserwerkstatt habe ich mit ein paar gezielten Hammerschlägen meine Felge gerichtet Nordland-Hamburg lächelt

Etappe 5: Solo – Madiun über 108 Kilometer

Die erste Flachetappe

Mr. Loh und ich wollen heute auf den zweiten Sprint fahren. Die Etappe ist recht kurz und der erste Sprint kommt nach 28 Kilometern, da werden wohl alle Gas geben. Nach 32 Kilometern ist der Sprint noch nicht da, dafür bin ich jetzt an der Spitze. Ich mach mich richtig lang, hole einen Ausreißer ein. Das 1000 Meter Schild der Sprintwertung kommt.

Ich gebe alles, doch sie sind schon an mir dran. Dann muß ich plötzlich kämpfen, um nicht abgehängt zu werden. Später zeige ich mich noch einmal an der Spitze, doch dieses Tempo kann ich nicht fahren.

Aber sonst kann es auch niemand und so kommt es zum Spurt des Feldes in Madiun. Immerhin sind meine heutigen Bemühungen einigen meiner Bekannten aufgefallen, die mich daraufhin gleich aufgemuntert habenNordland-Hamburg lächelt

Etappe 6: Madiun – Malang über 234 Kilometer

Dji Sam Soe = Zwei Drei Vier

Dji Sam Soe ist eine Zigarrettenmarke, 234 Kilometer ist diese Etappe lang, wahrscheinlich möchte der Werbepartner dieser Tour diese Zahl. Unser Mr. Loh attackiert bei Kilometer eins. In der zweiten Gruppe ist er dabei. Der Typ muß voll durchgeknallt sein! Nach 150 Kilometern sehe ich ihn erst wieder. Bei zwei Sprints leer ausgegangen. Das nenn ich echten asiatischen Kampfgeist. Er imponiert mir.

Nach 170 Kilometern geht`s zur Sache. Bis dahin haben wir 17 Bahnübergänge überquert. Wir durchfahren ein paar Flußtäler und die Straße windet sich in Serpentinen hindurch. Keine langen Anstiege, aber das Feld zieht sich auseinander. Auf einmal fahren wir am Anschlag.

Es gibt ein paar Stürze. Ich sehe Maint Berkenbosch, wie er ein Laufrad mit einem Kameraden wechselt. Er fährt im Bergtrikot, war übrigens kürzlich noch Zweiter in Hamburg Volksdorf. Es dauert nicht einen Kilometer, da überholt er mich schon wieder. Ich hänge mich rein, doch ich kann ihm einfach nicht folgen. Mr. Loh geht flöten und auch mein Begleiter von Dodol Picnic kann mir nicht folgen.

Ich passiere die Bergwertung bei Kilometer 196 und bin allein auf weiter Flur. Ich denke, warten ist am Besten. Ich schau mich um, nichts zu sehen, weit und breit. also weiterfahren. Nach 20 Kilometern kommt Mike Carter mit Bastian Krol von hinten heran. Der Holländer ist der Stärkste von uns, Mike und ich sind froh, daß wir nur Anstandsführungen zu machen brauchen. Mike ist als Profi bei Motorola alle drei großen Rundfahretn gefahren, aber hier hatte er sich den Magen verdorben, und scheint daher wohl nicht mehr in Bestform zu sein.

Die Etappe nach Malang war nicht einen Kilometer kürzer als angekündigt, von der Neutralisation und den Weg zum Hotel mal ganz abgesehen. 6 1/2 Stunden Fahrzeit im Rennen, ich diniere beim großen gelben M.


Etappe 7: Malang – Jember über 181 Kilometer

Tropischer Regenguß

Heute gibt es eine Übergangsetappe ohne Bergwertung. Doch ich habe Respekt. Nach 80 Kilometern kommt ein kleiner Berg. Wenn ich abgehängt werden sollte, sind noch 100 Kilometern alleine zu fahren. Also bin ich wachsam und positioniere mich rechtzeitig vorne. Den Berg nehmen wir mit dem großen Blatt und ich beiß mich fest. Vielleicht 400 Höhenmeter auf 10 Kilometer, scheint mir zu liegen. Nach 150 Kilometern zieht ein Sturm auf. Wir fahren in ein Unwetter.

Es stürmt, dann peitscht der Regen waagerecht auf uns hernieder. Zu allem Überfluß wird das Tempo jetzt horrend. Wir platzen auf der Kante, doch wir jagen hart. Vor uns fahren noch zwei Gruppen. Alle sind in Himmelsnöten. Ich kann dem Tempo nicht mehr folgen, vielleicht noch 15 Kilometer bis ins Ziel. Die anderen kommen wieder ran, ich kann nichts machen. Nach dem Sturm fällt ein Monsunregen. Das Wasser steht auf der Straße, als ich die letzten der 181 Kilometer von heute zurücklege. Ich verliere 15 Minuten auf 15 Kilometern! Bin aber nicht Letzter in Jember.


Etappe 8: Jember – Banyuwangi über 112 Kilometer

Heißer Kampf ums Bergtrikot

Die ersten beiden Fahrer in der Bergwertung sind punktgleich, der Dritte hat nur einen Zähler Rückstand. Heute ist die letzte Bergwertung des Rennens. Wir starten im 50er Tempo in die hügelige Strecke. Nach zehn Kilometern beginnt der Anstieg.

Der Chef des finanzieren Tabakkonzerns verfolgt das Rennen aus dem Hubschrauber, ich würde jetzt gern tauschen. Der Berg ist nicht allzu schwer, aber an einem Steilstück zerreißt es mich. Endlich mal ein Berg, wie man ihn sich wünscht: es gibt Serpentinen und Schatten. Ich fahre zusammen mit Remko Kramer, Mitbegründer vom Marco Polo Cycling Club, der Junge ist also schon wirklich weit gereist. Aber heute ist nichts mehr zu machen. Zusammen mit einem Indonesier spulen wir den Rest der 113 Kilometer bis Banyuwangi ab. Wir kämpfen nicht mehr, es geht um nichts.

Die Holländische Mannschaft aus Oldenzaal hat sich heute voll für das Bergtrikot geopfert. Der Kasache Yakovlev von Polygon Sweet Cycle erkämpft es sich aber vor Maint Berkenbosch und Nathan Dahlberg, die seinem Antritt nicht kontern können.


Etappe 9: Gilimanuk – Denpasar über 135 Kilometer

Fährfahrt nach Bali

Jetzt ist es nicht mehr weit, denn heute steht die letzte Etappe auf dem Programm. Wir beginnen den Tag mit einer Fährüberfahrt zur weltbekannten Urlauberinsel Bali. Ich gestehe, vor zwei Wochen wußte ich noch gar nicht, wo sie zu finden ist.

Das Rennen startet vom Fähranleger und beginnt wie immer im 50er Tempo. Wir fahren eine perfekte Straße, sehr schnell. Die Stecke ist eigentlich eine Traumstraße, entlang der Küste, doch das Rennen läßt mir wenig Zeit für Ausblicke. Der erste Sprint folgt nach 35 Kilometern, danach ist erst mal die Luft raus. Anno Pedersen von Telkomsel wagt einen Ausreißversuch, ich möchte folgen, doch ich zögere. Warum soll ich einen guten Bekannten nicht gewähren lassen? Ich will nicht seine Anstrengungen zunichte machen. Ein paar Kilometer weiter dann die Gelegenheit. Ich kann eine Ortsdurchfahrt nutzen, um mich vom Feld abzusetzen. Gemäß der Dahlberg Devise, wer es nicht probiert, wird es nie herausfinden, setze ich mich ab, schließlich habe ich eine Woche gut trainiert und das Rennen ist bald zu Ende.

Ein Kilometer mache ich mich richtig klein und schon bin ich vorne bei Anno. Drei weitere Fahrer folgen, wir sind jetzt zu siebt. Jetzt müßte ich alles geben, aber die Gruppe harmoniert nicht gut. Die Strecke ist sehr wellig und die kleinen Indonesier geben bergauf immer besonders hart Gas. Unser Vorsprung liegt bei drei Minuten, zu wenig. Die Gruppe zerfällt, als es Anno zu bunt wird. Auch ich kann nicht mehr folgen. Immerhin kommt der Nordland-Hamburg Bgeleitwagen noch rechtzeitig nach vorne und ich kann in die zufriedenen Gesichter meiner Betreuer sehen, die mich heute vor dem Feld verpflegen, bevor ich mich nach 20 Kilometern an der Spitze wieder zurückfallen lasse. Später versuche ich bei Kilometer 125 noch einmal wegzukommen, doch nach einem Kilometer ist mein Pulver verschossen. Anno wird zum Verlierer des Tages. Er wird erst auf dem letzten Kilometer vor dem Ziel eingeholt.

In Denpasar werden wir von einer kleinen Delegation des deutschen Restaurants Mama´s begrüßt. Mit einem eigens angefertigten Plakat werden wir herzlich willkommen geheißen. Den Abend genießen wir gemeinsam beim Empfang durch den deutschen Honorarkonsul von Bali, Herrn Jantzen, und lassen uns die hervorragende deutsche Küche im seinem Restaurant schmecken.

Urlaubspläne

Eigentlich wollte ich eine Menge Touren und Besichtigungen machen. Doch nach dem Rennen bin ich echt platt, und ich finde die schwüle tropische Hitze nur noch anstrengend. So bleibt es bei einer Tour nach Nusa Dua, wo sich Delphine im Meer tummeln und zum Uluwatu Klippentempel, wo Äffchen meine Brille mopsen wollen. Ansonsten setzte ich Ollis Pläne eines Badeurlaubs in die Tat um. Wir lenzen am Strand, bis wir knallrot sind. Dafür ist unsere Farbe fast nahtlos. Ich hätte mir eine andere Badehose kaufen sollen. Abends streifen wir durchs Amüsierviertel und lernen Leute aus aller Welt kennen.

Die Rückreise mit vier Flügen ist wieder beschwerlich und dauert 48 Stunden.




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