Der Sportliche Leiter Malte Hoffmann berichtet
Am Morgen des 12. März kommen Peter und ich auf Djerba in Tunesien an. Es dauert nicht lange, da sind alle Pauschaltouristen von ihren Dienstleistern abgeholt, und wir stehen mit unserem Gepäck verloren vor dem kahlen, menschenleeren Flughafengebäude. Schon beim Landeanflug konnten wir sehen, daß es erheblich geregnet hatte und auch die Temperaturen wollen keine richtige Vorfreude auf ein Radrennen aufkommen lassen.
Als ob es auf uns gewartet hätte, steht ein einsames Taxi vor der Tür. Wir laden unsere Fahrradkartons auf das Dach des Fiat Uno, wo sie dilettantisch festgebunden werden. In Houmt Souk, der Inselmetropole, steigen wir in ein größeres Taxi um. Auf dem Weg zur Grenze fahren wir noch durch mehrere satte Regenschauer, doch unsere Kartons sind zum Glück diesmal mit uns im Inneren des Fahrzeugs untergebracht.
An der Grenze zahlen wir unseren tunesischen Fahrer aus und steigen in ein libysches Taxi um, in dem bereits zwei tunesische und ein libyscher Fahrgast sitzen. Der Fahrer, der offensichtlich keine andere Sprache als arabisch spricht, nennt uns fortan schlicht „Allemagne“ :
„Allemagne, Eure Pässe!“, „Allemagne, komm mal mit!“.
Die Passage der tunesischen Seite geht erwartungsgemäß schnell. Als der libysche Chauffeur nach der Kontrolle damit beginnt, das Gepäck gründlich auf dem Dach zu verzurren, ist uns klar, daß nun nichts Ernsthaftes mehr kommen kann. Dabei richtet er meinen sorgfältig gepackten Fahrradkarton in Kürze mit wenigen Handgriffen zu Grunde.
Ohne Visa in den Pässen, aber mit einem entsprechenden Schreiben des Libyschen Radsportverbandes treten wir den Grenzbeamten gegenüber, wobei unser Taxifahrer wahre Vermittlerqualitäten an den Tag legt. Mit Leidenschaft werden Formalitäten abgearbeitet, während wir im Schatten zwischen LKW-Schlangen, Wüstentouristen und ganz gewöhnlichen Reisenden stehen. Wir scherzen mit den äußerst freundlichen und lockeren Grenzern und auch unsere Mitfahrer sehen es entspannt, daß sie von uns ausgebremst werden.
Es gibt noch einige Telefonate mit dem Rennorganisator und wir müssen mehrere Male fünf Minuten warten, so daß wir nach zweieinhalb Stunden die Grenze passiert haben und auf dem Weg nach Tripolis sind. Auch die weitere Fahrt verläuft geschmeidig, nicht zuletzt aufgrund der guten Straßen.
Jedem, der jemals auf der Strecke von Ras Ajdir nach Tripolis unterwegs ist, sei dringend nahe gelegt, in Mellita bei Salim, direkt am östlichen Ende der riesigen Raffinerie, eine Essenspause einzulegen. Hier wird man herzlichst empfangen, es werden mindestens drei europäische Sprachen gesprochen, obwohl hier sicherlich so gut wie nie Europäer reinschauen und es gibt bestes landestypisches Essen für wenig Geld.
Am Abend beziehen wir unser Quartier in Tripolis.
Endlich an unserem Zielort angekommen, gehen wir die eigentliche Vorbereitung für das Rennen an und nutzen so die Zeit, die Trainingsreviere um Tripolis ausgiebig zu ergründen. Da es das erste Rennen nach der Winterpause sein wird, fühlen wir uns etwas im Ungewissen über das aktuelle Leistungsvermögen. Deshalb spulen wir auch 400 Kilometer ab, inklusive der ersten intensiven Fahrtspiele des Jahres: täglich 20 Kilometer Paarzeitfahren und Kolbenproben bis zum Anschlag.
Diese Fahrten unternehmen wir hauptsächlich auf den großen Schnellstraßen, denn in Libyen sind nur die Hauptverkehrsadern gut ausgebaut. Bei unseren Ausfahrten lernen wir schnell, daß wir als Verkehrsteilnehmer im dichten Kraftfahrzeuggewühl durchaus geachtet werden, und zu unserer Freude stoßen wir überall auf große Begeisterung. Das Hupen bedeutet hier etwas ganz anderes als zu Hause und fast jeder Taxi- oder Lkw-Fahrer tut so seine Begeisterung kund. Selbst aus entgegenkommenden Autos auf der Autobahn streckt man uns den emporweisenden Daumen entgegen.
Abends flanieren wir dann durch die Geschäftsstraßen der eher unbekannten nordafrikanischen Metropole.
Einen Tag vor Rundfahrtbeginn sind wir schließlich komplett und fahren dann mit Allan und Franck, der mit dem Zug nach Warschau reisen mußte, um einen Flug zu bekommen. Die Trainingsgruppe wird noch durch die Fahrer der bayrischen Mannschaft bereichert.
Während die Aktiven am Abend ihren dritten Nachtisch am Buffet abgreifen, nehme ich mit den anderen Sportlichen Leitern an der Rennbesprechung teil.
Von Anfang an mit Vollgas
Am Start stehen elf Mannschaften: die Nationalmannschaften aus Libyen (A und B), Malta, Ägypten, Südafrika, Algerien, Syrien sowie Profiline (Bayern), Armeesportklub Tunis, Equipe Pharmacie Centrale de Tunisie und Nordland-Hamburg.
Gestartet wird publikumswirksam vor der Medina an dem großen Platz Al Fat’h / Umar Al Mukhtar. Nach etlichen Fotos und etwas Zeremoniell geht es neutralisiert etwa 6 Kilometer aus dem Stadtzentrum hinaus, bevor an einer großen Ausfallstraße der scharfe Start erfolgt.
Es wird von Anfang an mächtig am Horn gezogen. Schon früh fallen einige Fahrer, zum Teil auch mit Defekt, zurück, und manche von ihnen sehen das Feld bis ins Ziel nicht wieder. Das Gros bleibt aber bis zum einzigen und entscheidenden Anstieg im letzten Drittel des Tagesabschnittes zusammen.
Wir haben den Ballungsraum Tripolis hinter uns gelassen und die Landschaft wird abwechslungsreicher. Schließlich erreichen wir den kleinen Gebirgszug, der die Fahrer noch ein wenig ermuntern soll, und als die Straße sich zu winden beginnt, zieht sich erstmals das Peloton auseinander.
Einzelne Fahrer und kleinere Rotten verteilen sich über die Serpentinen. Da die Abstände zwischen den Gruppen nun größer als eine Minute sind, komme ich das erste Mal von der uns zugelosten letzten Position in der Fahrzeugkolonne weg. Im vorderen Bereich schließen sich kurz vor dem Paß zwei Gruppen zum Hauptfeld zusammen. Mit dabei sind Franck und Allan, Peter fährt in der unmittelbar darauffolgenden Gruppe.
Das Peloton hat insgesamt 13 Fahrer vor sich und kommt mit 5 Minuten Rückstand auf den Sieger ins Ziel. Dieser heißt Ahmed Mohamed Ali, fährt für Libyen A und erkämpft alleine (!) auf einem vergleichsweise kurzen Anstieg und einer abschüssigen Schlußpassage einen beeindruckenden Vorsprung von zweieinhalb Minuten auf seine nächsten Verfolger. Mit dem Mann, der sich hier das gelbe Trikot überstreifen darf, freuen sich besonders auch die Einwohner des Zielortes selbst: Tarhunah ist die Stadt, aus der Ali stammt.
Zur Mahlzeit nach der Etappe verlassen wir Tarhunah wieder und speisen außerhalb der Ortschaft in traditionellen Zelten aus Decken. Danach geht es per Bus und Auto wieder zurück nach Tripolis.
Die Bergetappe
Der Start der zweiten Etappe ist nahe der Radrennbahn. Zunächst geht es wieder neutralisiert aus dem Stadtzentrum hinaus, bis nach etwa 11 Kilometern der scharfe Start in der westlichen Peripherie von Tripolis erfolgt. Mohamed, der Fahrer unseres Begleitwagens, und ich fahren heute an zehnter Position direkt vor der Mannschhaft Maltas, die das Ende der Kolonne bilden.
Der zickzackförmige Kurs um Tripolis herum präsentiert dem Peloton den Wind von allen Seiten: sowohl als arger Widersacher als auch als willkommener Helfer.
Bei Kilometer 60 entscheidet Franck den ersten der beiden Zwischensprints für sich. Damit gehen 5 Punkte auf sein Konto in der Wertung um das blaue Trikot. Leider kann er bei Kilometer 100 nicht noch einmal punkten. Diesmal hat der Syrer Fadi Khanshikhoni sein Vorderrad am weitesten vorne und verteidigt damit erfolgreich dieses Wertungstrikot, das er bereits auf seinen Schultern trägt.
Genau wie gestern ist das Fahrerfeld geschlossen, als es in den Anstieg geht. 20 Kilometer bleiben den Fahrern, um das Klassement aufzumischen. Und das tun sie auch. Es gibt weder Ausreißergruppen, noch ein Hauptfeld, noch ein Gruppetto. Stattdessen tröpfeln die Fahrer einzeln oder in kleinen Gruppen ins Ziel. Während die Zeitabstände im vorderen Teil in Sekunden gemessen werden sind es weiter hinten richtige Löcher im Minutenabstand.
Durch die Wüste
Die Etappe beginnt vor großer Kulisse: Ein Startort ist nicht zu benennen, denn es wird quasi mitten in der Wüste etwa 70 Kilometer südlich von Bani Walid gesammelt. Dementsprechend beginnt der Tag mit einem Transfer. Ich sitze im Materialwagen, auf dem ich zuvor die Renn- und Laufräder verstaut habe, während die Renner im Reisebus Platz genommen haben.
Die Polizei und die Fahrer der Fahrzeugkolonne sind von Anfang an voll in ihrem Element. Es wird die gesamte Straßenbreite beansprucht und reichlich von Hupen und Hörnern Gebrauch gemacht. Mohamed entscheided sich überwiegend für die linke Seite der nicht gesperrten Straße. Manche entgegenkommenden Auto- und LKW-Fahrer weichen respektvoll aufs Bankett aus, aber eben nur manche. Mohamed läßt die Tachonadel dabei konstant um die 140 km/h tanzen und so habe ich, leicht unentspannt, auch keinen rechten Sinn für die atemraubende Landschaft, durch die wir fahren. Kaum am Start angekommen, trudelt auch schon der Bus mit den Fahrern ein. Die müssen auch ziemlich schnell unterwegs gewesen sein.
Am einzigen Anstieg auf diesem Teilabschnitt zerfällt das Peloton. Um Peter bildet sich eine Ortsgruppe, die jetzt noch 140 Kilometer zu fahren hat. Das könnte das Aus bedeuten. Aber die Gruppe harmoniert und wächst um weitere zurückgefallene Fahrer an. Die Rennfahrer werden inzwischen von einem starken Rückenwind getrieben. Die Etappe wird in einem sportlichen Tempo zurückgelegt und dennoch verliert die Ortsgruppe bloß 12 Minuten auf der Verfolgung.
Temporausch
Gestartet wird heute wie immer pünktlich pünktlich. Die Landschaft gleicht anfangs der des Vortages. Ohne nennenswerte Niveauunterschiede, aber in der Summe leicht abfallend, geht es aus dem Landesinneren mit Schiebewind wieder in Richtung Küste. Die erste Hälfte der Rundfahrt hat im Fahrerfeld bereits Spuren hinterlassen. Bei kleineren Relief-Wellen und nach Abzweigen können einzelne Fahrer dem hohen Tempo des Feldes nicht mehr folgen. Natürlich bleiben auch die lästigen Defekte, von denen wir bislang verschont blieben, nicht aus.
Nach einem Sturz, bei dem Karsten den Helm seines neuen Ausrüsters ausgiebig testet, nutze ich die mitgeführte Erste-Hilfe-Ausrüstung. Dabei erhalte ich dann unvermittelt einen Einblick in die Ausstattung eines mitfahrenden Krankenwagens. Aus einer Plastikkiste quillt ein wüstes Durcheinander verschiedenster Dinge hervor. Im wesentlichen sehe ich Unmengen von Tabletten. Der gestürzte Malteser fährt schließlich weiter und wird nach Etappenende mit fünf Stichen genäht.
Das Feld ist mittlerweile ordentlich ausgefranst und ich pendele regelmäßig zwischen Allan und Franck im Hauptfeld und Peter, der heute weiter hinten fährt. Durch den Abstand der Felder zueinander beweist Mohamed sein Rennfahrerblut und ich stelle fest, daß unser Nissan Pritschenwagen mindestens 170 km/h läuft.
Je näher wir Misurata, Libyens größter Hafenstadt, kommen, desto grüner wird die Landschaft. Schließlich fahren wir durch fruchtbare Getreideanbaugebiete. Etwa 20 Kilometer vor dem Ziel beschert uns Franck unseren ersten Defekt. Wegen des Rückenwindes dauert der Anschluß etwas länger, seine drei Begleiter freuen sich, da er die Führungsarbeit weitestgehend alleine übernimmt.
Dennoch schließt er die Aufholjagd erfolgreich vor dem Etappenziel ab. An einen Sprint würden jetzt die wenigsten denken: Franck läuft allerdings auf Hochtouren und wird noch Neunter, Allan Elfter! Die Renner sind heute in einem rekordverdächtigen Schnitt von >52 km/h unterwegs, der Wind trägt seinen kleinen Teil dazu bei.
Etappensieg
Die Rennstrecke verläuft ohne Kurven auf einer großen Ausfallstraße als Wendepunktkurs unter Vollsperrung. Auf dem ersten Halbstück in südlicher Richtung macht starker Gegenwind den Fahrern das Leben schwer. Zu Beginn des letzten Drittels ist eine Autobahnbrücke zu überfahren und danach ist die Strecke bis zum Wendepunkt leicht ansteigend. Dem Ziel entgegen geht es mit merklichem Rückenwind und leichtem Gefälle.
Ab 09:00 Uhr starten die Fahrer in dreiminütigen Abständen. Die Startzeiten geben mir die Möglichkeit, sowohl Peter als auch Franck zu begleiten. Peter, der heute einen aktiven Ruhetag einlegen will, schlägt sich wacker. So richtig locker wird es dann aber doch nicht für ihn, aber die Schmerzen halten sich offenbar in Grenzen.
Während wir so auf der Strecke sind, schaltet Mohamed das Autoradio ein und naturgemäß kann ich den Textbeitrag nicht verstehen. Ich merke aber doch rasch, daß es um eine große Radsportveranstaltung im Lande geht, die nationale Rundfahrt. Unter einigen Namen höre ich „Robert Schmidt“ heraus. Zufälligerweise ist genau dieser gerade mit seinem Rad auf der Autobahn in Richtung Tripolis unterwegs. Nachdem er schon länger keinen Streckenposten mehr gesehen hatte und ihm das hohe Verkehrsaufkommen schräg vorkam, beschloss er, umzudrehen. Nach fast 40 Minuten erreicht er das Ziel und wird damit Zweitletzter der Etappe. Eine mißvertändliche Anweisung eines Polizisten an einer Straßeneinmündung hatte zu diesem schmerzlichen Resultat geführt.
Franck rollt um 10:57 Uhr als Mitfavorit von der Rampe. Zwischenzeiten gibt es nicht, aber der Schnitt am Wendepunkt ist vielversprechend. Auf dem Rückweg sammelt er den zuvor gestarteten Algerier ein. Obwohl der Wind und das Relief nun mit Franck sind, wird es auf dem letzten Kilometern nochmal schwierig. Der Asphalt ist hier rauer und Franck kann den 11er nicht mehr treten. Im Ziel liefert er mit 29:55 Minuten die neue Bestzeit ab. 20 nach ihm gestartete Fahrer sind noch unterwegs.
Dennoch hat es bis zum Eintreffen des Gesamtführenden Ahmed Mohamed Ali (Libyen A) niemand geschafft, schneller zu sein. Und da Franck schließlich der einzige bleibt, der unter einer halben Stunde fährt, können wir abends mit ihm einen verdienten Etappensieg feiern.
Ein zeitiger Feierabend gibt auch mir heute noch die Möglichkeit, etwas Sport zu treiben. Gemeinsam mit Karsten, dessen Kilometerhunger unersättlich ist, absolviere ich eine zweistündige Trainingseinheit hinter unserem Materialwagen.
Abends klingeln auf den Nordland-Hamburg-Zimmern die Hoteltelefone: das Fernsehen fragt nach dem Tagessieger. Wenig später lümmeln wir alle in den Ledergarnituren des Hotel vor dem Bildschirm. Franck sitzt etwas abseits mit einem Telefon, während man den Tourchef Moez bei der libyschen Berichterstattung sieht und Francks Stimme hört.
Fluchtversuche
Über Nacht hat es ergiebig geregnet. Der Himmel ist verhangen und die Straßen sind nass. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: mehrere Teile der Rennstrecke im Stadtgebiet Misuratas stehen bis zu einem halben Meter tief unter Wasser. Ungemach droht.
Doch so perfekt organisiert wie wir die Rundfahrt bisher kennengelernt haben, wird auch dieses Problem entschärft. Vor dem Start erfahren wir, daß die Feuerwehr gerade eine Überflutung bei Kilometer sieben abpumpt. Gestartet wird dennoch pünktlich um 09:00 Uhr. Als wir Kilometer sieben passieren, ist die Straße dort befahrbar und die Feuerwehr nicht mal mehr zu sehen. An einigen größeren Pfützen wird das Rennen reibungslos über die kurzfristig gesperrte Gegenfahrbahn umgeleitet. Es ist aber immer noch nass genug, daß alle Fahrer im Etappenziel nicht nur ihre Fahrräder gründlich waschen, sondern auch den Helm mit unter die Dusche nehmen werden.
Nach dem Start geht es zunächst auf eine großzügige Schleife östlich von Misurata , bevor das Rennen erneut das Stadtgebiet erreicht. Von hier an geht es entlang der Küste nach Westen bis zum Etappenziel.
Franck, der heute die vorletzte Chance hat, sich im Gesamtklassement noch zu verbessern und unter die ersten Zehn zu fahren, gestaltet das Rennen folgerichtig aktiv mit. Er muß auf eine funktionierende Ausreißergruppe hoffen und konsequenterweise weggesprungene Gruppen angreifen. Als ein Grüppchen um Hassen Ben-Nassr von Pharmacie Centrale weg ist, machen Franck und die Libyer gemeinsame Sache.
Dennoch werden alle Fluchtversuche vereitelt, so daß es keine Veränderungen im vorderen Teil des Klassements gibt.
Am Nachmittag fahren wir mit einigen anderen mit einem von der Rennorganisation zur Verfügung gestellten Bus ins nahegelegene Labdah. Dort besuchen wir die bedeutendste antike Ausgrabungsstätte in Libyen: Leptis Magna. Die von den Phoeniziern gegründete Hafenstadt war vor mehr als 2000 Jahren eine der wichtigsten Handelsstützpunkte Nordafrikas.
Zermürbendes Gegenwindfinale
Wer einmal vor dem Rennen ausschlafen möchte, hat heute die Möglichkeit dazu. Die letzte Etappe wird erst mittags gestartet.
Unser Ziel ist es, Franck vom zwölften Platz, auf dem er seit dem Zeitfahren fährt, unter die ersten Zehn zu bringen. Und somit ist die Tagestaktik auch schnell erläutert: Kette rechts.
Wir setzen auf eine funktionierende Fluchtgruppe. Das böse Erwachen kommt mit dem Start. Ein garstiger Nordwestwind legt das Feld teilweise regelrecht lahm. Da auf dem Weg zurück in die Hauptstadt keine Richtungsänderung ansteht, wissen die Fahrer genau, was sie noch vor sich haben. Dennoch versucht es Peter als einer der ersten. Mit nur einem Begleiter ist das Unterfangen jedoch nur von kurzer Dauer.
Das wellige Terrain in der ersten Etappenhälfte reibt die Fahrer zusätzlich auf. Defekte und Pinkelpausen werden hier zum kraftraubenden Luxus. Später ist Allan mit elf Mitstreitern auf der Flucht. Leider fanden sich hier überwiegend uneinige Akteure zusammen, so daß sich auch dieser Haufen bald wieder einreiht. Und so verlaufen noch einige weitere Versuche im Sande. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn als wir die Hügel verlassen und die Küste erreichen, bringt der auflandige Starkwind nicht nur Gischt mit, sondern füllt die Luft auch reichlich mit dem feinen Strandbelag.
Schließlich erreichen wir die bekannten Trainingsgründe ösltich von Tripolis wieder, doch Peter hat sein Bestes gegeben und kann den Heimvorteil nun nicht mehr nutzen.
Bei gleißendem Gegenlicht zieht sich das Feld immer wieder hin und her über die vierspurige Autobahnhälfte und drängt sich dann wieder am Rande des glitzernden Asphaltes zusammen.
Ich erlebe ein spektakuläres Finale in der Kollonne der Begleitfahrzeuge, die nun unter ständigem Hupen auf voller Straßenbreite auffahren. Ein Teil der Betreuer sitzt schon nicht mehr in sondern auf den Fahrzeugen.
Am Ende hat überraschenderweise der späte Angriff von sechs Fahren Erfolg, die mit wenigen Sekunden Vorsprung auf das Feld das Ziel erreichen. Allan wird vierter im Sprint des Feldes, während Franck und Peter gelassen auf den hinteren Positionen über die Linie rollen.
Abends lädt der Libysche Radsportverband zu einem opulenten Abschlußessen ein. So mancher Fahrer bekommt hier die Ansprachen und Ehrungen bereits nicht mehr mit, weil er schon im Halbschlaf vor sich hin dämmert.
Die sonst übliche Feier der Sieger in angrenzendes Lokalitäten fällt in diesem arabischen Land eher bescheiden aus.
Wir bedanken uns in diesem Rahmen noch mal bei dem verantwortlichen Macher Ben Ismail Moez, dessen Veranstaltungsagentur zur Organisation dieser ersten Auflage der Landesrundfahrt durch den Lybischen Radsportverband beauftragt wurde. Neben der Leitung und Koordination der Gesamtdurchführung übernimmt Moez persönlich auch noch die Präsentation des Sportereignisses in den Medien.
Wir sind schwer beeindruckt, da nahezu alles perfekt abgelaufen ist.
Die tatsächlichen Etappenlängen wichen nur minimal von den Angaben ab. Der Start fand immer pünktlich statt. Bei Ankunft in den Hotels lagen die Schlüssel entsprechend einer Zimmerzuweisung in Kuverts bereit. Wartezeiten für Fahrer und Betreuer gab es nicht. Die Standards der Hotels waren tadellos.
Die Verpflegung war hervorragend, sowohl was Menge als auch Gaumenfreuden betraf. Fahrer der konkurrierenden Mannschaften sollen sogar zugelegt haben...
Die ausgewählten Straßen waren absolut radsporttauglich. Gefahren wurde stets auf mehrspurigen Straßen mit guten Asphaltdecken, die Sperrung der Rennstrecken war vorbildlich!
Wir freuen uns schon jetzt auf die Libyenrundfahrt 2008.
Hier gibt es noch einige Bilder aus Libyen zu sehen: Galerie