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Way to Pekin 2007


UCI Europa Tour 2.2 vom 15. - 23. Juli 2007

ein Reisebericht von Oliver Stock


Durch glückliche Umstände haben wir die Möglichkeit, in diesem Sommer an einer Rundfahrt von Sibirien nach China teilzunehmen. Die Erlangung der Visa gestaltet sich zwar als äußerst schwierig, dennoch erhalten wir einen (!) Tag vor Abflug das begehrte Dokument in Form eines Aufklebers in unsere Reisepässe geklebt.

Für Nordland-Hamburg am Start sind Elmar Hantzsch (RRV Hameln Pyrmont), Nikolai Herz (RSV Braunschweig), Markus Weinberg (Team Notebooks), Lex Nederlof (Westland wil vooruit) und Olli Stock (Essen 19/Zwo) als Renner und Yves Beau (Broye) sowie Josefa Schädlich (Dresden) als Betreuer.


Die besten Flüge sind bereits ausgebucht, dennoch sitzen wir in der Nacht zu Freitag dem 13. im Flieger von Moskau nach Chita. Die Stunden am Flughafen der russischen Hauptstadt waren atemraubend, leider hatten wir nicht alle die Möglichkeit, dem Roten Platz und dem Kreml, einen Besuch abzustatten.


Bei der Ankunft am folgenden Morgen holt uns der Organisator in Begleitung einer Fernsehgruppe vom Flugfeld ab. Es scheint viele Neugierige zu geben, die sich von unserer deutschen Mannschaft viel versprechen. In dem Flughafen hat man natürlich vor unserer Ankunft den Durchgang gereinigt, ansonsten scheint hier seit dem letzten Zaren kein Flieger mehr gelandet zu sein.

Den Nachmittag nutzen wir zu einer kleinen Ausfahrt bei knapp 30° C: die Renner testen ihr Arbeitsgerät, die Betreuer lernen den Dolmetscher Nikolai und den Chauffeur Sascha kennen.

Schon einen halben Tag später schlägt das Wetter komplett um, als ein heftiger Sturm kalte Temperaturen bringt.Die für den nächsten Tag geplante Runde wird wegen Regens bis zum späten Abend verschoben. Dennoch bringen wir unsere Beine in Schwung und sind gespannt, ob wir trotz des zum Teil sehr schlechten Schlafes gute Leistungen bringen können.


15. Juli - Prolog in Chita über 3 Kilometer

Bei erneut strahlendem Sonnenschein werden die teilnehmenden Mannschaften der diesjährigen Tour dem interessierten Publikum der 300.000 Einwohner zählenden Stadt vorgestellt. Zur Präsentation am späten Nachmittag zählen unter anderem ein einheimischer Volkstanz und die Übergabe eines Korbes mit Brot und Salz als landestypische Sitte.


Zehn Minuten vor dem Start des ersten Pedalritters ist die Zeremonie beendet und es darf sich warm gefahren werden. Markus ist bereits als achter Fahrer am Start und fährt die beste Zeit unserer Mannschaft, er kommt auch als einziger von uns unter die ersten Zwanzig. Hart war es schon, gerade die Straßenverhältnisse verlangen ein hohes Maß an Konzentration.

Beim abendlichen Bummel über den Leninplatz stellen wir fest, daß die Bühne bereits komplett wieder abgebaut ist und nur einige leere Flaschen isotonischer Getränke von dem vorangegangenen Sportereignis zeugen. Gegen 21:00 Uhr ist dieser Ort richtig gut belebt und einige grüßende Mädchen zeigen uns, daß sie unsere sportliche Vorstellung gesehen haben Nordland-Hamburg lächelt

Wir werden von ihnen befragt, was uns in einen der entlegendsten Orte der Welt verschlägt. Wegen der Sprachschwierigkeiten dauern die Erklärungen etwas länger, natürlich geben wir uns dabei aber die größte Mühe. Vor allem Elmar, Lex und ich tragen bis kurz nach Sonnenuntergang (ca. 23:00 Uhr) zur Völkerverständigung bei.


16. Juli - Etappe 1: Rundstreckenrennen in Chita über 94 Kilometer

Sehr zeitig verlassen wir zusammen mit der Nationalmannschaft Usbekistans unsere Bleibe, um bereits eine Stunde vor dem Startschuß im Zielbereich einzutreffen: die Verantwortlichen begrüßen in diesem Moment den UCI Kommissär aus den Niederlanden und teilen ihre Helfer für die jeweiligen Aufgaben ein.


Wir warten auf unseren Renndienstwagen und die Konkurrenz. Bei der Startaufstellung wird uns erst richtig bewußt, wie klein doch ein Feld aus 41 Fahrern ist. Pünktlich geht es dann auf die 8 Kilometerrunde, auf der die meisten Attacken auf der Abfahrt gefahren werden. Irgendwann haben sich zwei größere Gruppen weggeekelt und das Tempo bleibt gleichmäßig hoch.

Ich schone mich heute und fahre eine Viertelstunde nach meinen Mannschaftskollegen ins Ziel. Mit mir ist der Russe Evgeni unterwegs, der heute mit der Null-Flaschen Taktik kein Glück hatte und ebenfalls vor der zweiten Sprintwertung abplatzt. Ich kann ihn motivieren, bei mir zu bleiben, und mich vor der Schmach der Überrundung zu bewahren, in dem er mich an sein Hinterrad nimmt.


Am Abend fällt der Gang zur örtlichen Eisdiele wegen zu kalter Temperaturen aus, stattdessen nehmen die weniger ausgelasteten Fahrer die Hilfe der sich in den Semesterferien befindlichen Studentinnen in Anspruch, um einige Vokabeln zu lernen.


17. Juli - Etappe 2: Chita - Khabarovsk - Chita über 163 Kilometer

Zum Auftakt der Etappe verlassen wir das Stadtzentrum neutral. Zwei der am gestrigen Tage abgehängten Renner eröffnen das Rennen mit einer Attacke bei Kilometer Null. Das finden nicht alle toll, aber es war vielleicht die einzige Möglichkeit, mit Vorsprung in die Berge zu kommen. Ich hätte diesen gerne gehabt, denn so klemme ich schon vor dem eigentlich Berg.

Mit neun Sportkollegen hetzen wir dem Hauptfeld hinterher, als ich frische Trinkflaschen hole, kann ich zu der dritten Gruppe aufschließen: Markus, Lex, Elmar und später auch Nikolai wollen die Karten nicht zu früh aufdecken und halten sich in den Bergen gekonnt zurück. Wenn wir nach der Wende nicht mit richtig starkem Gegenwind zu kämpfen hätten, bliebe uns sogar noch Zeit, ein Blick auf die Landschaft zu werfen. Wir fahren nämlich durch sibirischen Wald, kurz vor der Baumgrenze.


Am Ende treffen uns noch mehrere Hagelschauer, aber wir fahren weiter, da es hier nicht so schlimm ist, wie letzten Monat in der Schweiz. Der letzte Anstieg geht über fast 12 Kilometer, kleinere Gruppen jagen nun dem Ziel entgegen. Bei uns leidet fast jeder an einem kleineren oder größeren Hungerast. Na gut, wir sind im Ziel und fahren umgehend mit dem Rad ins Hotel. Die Hotelköchin sieht uns auf dem Parkplatz und fragt uns ganz entsetzt, warum wir erst so spät zum Mittag kämen - ein Informationsmangel, der wohl auch in Zukunft nicht ausbleiben wird.


Eine örtliche Radfahrerin begleitet uns am Nachmittag in die Stadt, damit wir mal wieder ins weltweite Netz können, am Abend erhalten wir von ihr einige kleine Geschenke - russische Gastfreundschaft, die uns nicht nur hier entgegenschlägt: unser Sportlicher Leiter wird beim Betreten eines Supermarktes aufgehalten, weil dieser bereits zusperrt. Als er erklärt, er hätte keine Uhr, bekommt er von einem Kunden, der einige Worte englisch spricht, eine Armeechronographen geschenkt!


18. Juli - Etappe 3: Chita - Aginskoye über 162 Kilometer

Nach mittlerweile vier Tagen in Sibirien verlassen wir unser Domizil und machen uns auf den Weg Richtung China. Start ist abermals das Stadtzentrum, Richtung Süden fahren wir noch neutral. Nach bereits knapp zehn Kilometern wartet die erste Bergwertung auf das Feld, einige Minuten später auch auf mich. Da ich keine allzu große Lust habe, den ganzen Tag alleine mit den Jungs aus Irkutsk zu kreiseln, hole ich mir hier bereits die erste Flasche.


An der zweiten Wertung ist der Durst auch nicht geringer, aber hier klappt die Übergabe so gut, daß ich gute Chancen habe, die Wertung zu gewinnen.... Natürlich bremse ich und reihe mich in meiner Stammposition ein. Irgendwie scheinen die letzten Wochen, in denen ich viel mit der Organisation dieser Reise zugebracht habe, nicht spurlos an mir vorübergegangen zu sein; die Beine waren dieses Jahr schon mal besser.


Na gut, das mangelnde Krafttraining für den Oberkörper bereue ich bereits nach 100 Kilometern dieser Etappe, habe dafür aber die Gelegenheit, die Landschaft zu bestaunen: Berge, Flüsse, Täler und Wälder zeigen sich dem Betrachter als unberührte Natur. Und dann taucht mitten in der Wildnis eine Gruppe der Stalinjugend auf und feuert das Peloton nach Leibeskräften an!


Mit diesem Eindruck geht es über eine letzte Kuppe, bevor der Wald aufhört und die Steppe beginnt. An der einzigen Abzweigung des Tages fahren die vier Jungs aus Irkutsk geradeaus, so daß ich als Rechtsabbieger zu meinem Begleitwagen aufschließen kann. Es geht über einen Staudamm, der Wind bläst mir ins Gesicht und am Ende des Horizonts sind die Kollegen zu sehen. Ich erhalte letzte Instruktionen und bin dann die letzten 20 Kilometer auf mich allein gestellt.


Mit Rückenwind und einigen Begleitern, die mächtig Druck aufs Pedal bringen, nähern wir uns dem Ziel, welches zu früheren Zeiten zur Mongolei gehörte und dessen Einwohner keine äußerlichen Ähnlichkeiten mit den russischen Besatzern aufweisen. Unser Hotel ist im ersten Stock der hiesigen Post und Zulassungsstelle. Die Freude ist groß, als der Blockwart das Wasser anstellt und wir den Rennschweiß abduschen könnenNordland-Hamburg lächelt

Am Nachmittag machen wir einen Stadtbummel und besuchen das einzige Cafe des Ortes; die Chaffeure der Mannschaften freuen sich, endlich Chita verlassen zu haben, da sie am Abend nicht nach Hause müssen und so die Gelegenheit haben, endlich mal ein kleines Gläschen Wodka in geselliger Runde trinken zu können...


19. Juli - Etappe 4: Olovyannoe - Borzya über 127 Kilometer

Als die teilnehmenden Mannschaften das Frühstück verlassen, um den Bus zum Start zu nehmen, bestellen wir gerade erneut unseren Morgenkaffee...

Es wird am Start aber genügend Rücksicht genommen, so daß wir ganze 10 Minuten Zeit haben uns umzuziehen, die Flaschen zu füllen und die Räder zusammenzubauen - schade, daß wir die nötigen Infos nicht am Abend bekommen haben, aber mit den Bergen am Anfang ohnehin überflüssig.

Markus kämpft hier tapfer, schafft aber auch nicht den Sprung in die Spitze. So pedalieren die verschiedenen Gruppen durch die Steppe. Die Strecke verläuft parallel zu den Bahnschienen, auf der hier nur Güterzüge zu sehen sind. Die Transsibirische Eisenbahn kreuzt an diesem Tag nicht unseren Weg.


Vorbei an dem Geburtsort von Dschingis Khan geht es auf dem großen Blatt Richtung Ziel. Heute ist der 19-jährige Roman mein Begleiter. Er hat sogar zwei Schwestern, aber mehr kann er mir aufgrund mangelnder Englischkenntnisse nicht mitteilen.

Als wir auf einen Bahnübergang zusteuern, dessen Ampel rot leuchtet, freue ich mich auf eine kleine Pause. Die Disqualifikation der Paris - Roubaix Protagonisten des letzten Jahres im Hinterkopf, schaue ich mich verwundert um, als der Kommissär mich unmißverständlich auffordert, schnell noch rüberzufahren!


Der heutige Weg ist wirklich nicht sehr abwechslungsreich, als aber auf einem Abschnitt Straßenbauarbeiten beginnen, kann ich endlich wieder mein Rhytmus finden, der in der Nähe des neutralen Materialwagens verloren gegangen war...

Im Zielort gibt es nicht nur einige überraschte Zuschauer, die sich über das ungewohnte Ereignis amüsieren, sondern auch eine Menge Schlaglöcher, die Lex und Elmar auf dem letzten Kilometer eine Reifenpanne bescheren und somit den Einzug in die Preisränge verhindern.


Transfer, Grenzübertritt und Ruhetag

Nach einem Mittagessen inklusive spektakulärer Bedienungen in dem örtlichen Festsaal des Zielortes, geht es in einem langen Konvoi Richtung Grenze. Die 150 Kilometer sollten in zwei Stunden zu schaffen sein, allerdings ist an einen kleinen Mittagsschlaf nicht zu denken, da es doch sehr viele Wellen in der Straße gibt, die unseren Kleinbus derart in die Höhe schnellen lassen, daß wir überlegen, unsere Radhelme während dieser Fahrt aufzusetzen.

Entlang der Straße gibt es nicht Besonderes, lediglich einige Ziegen- und Schafherden ziehen durch die Steppe. Ab und an laufen ein paar Pferdchen durch die Gegend, schwer zu sagen, ob es Wildpferde sind.


An der Grenze angekommen, beginnt ein Papierkrieg, den man eigentlich selten erlebt. Unsere Freunde aus der Westprovinz und dem Land des Baguettes versuchen, die chinesischen Grenzbeamtinnen, mit denen nicht zu spaßen sein soll, durch den Ausruf "Ich liebe Dich" in sieben verschiedenen Sprachen, zu schnellerer Bearbeitung zu animieren. Diese fordern umgehend eine schriftliche Übersetzung von "Ti amo" und Co. an, und während dieser 60 Minuten müssen auch die Reisenden, die nicht zu unserer Sportgruppe gehören, den begehrten Einlaß in das Reich der Mitte zeitlich nach hinten verschieben.

Nach sieben Stunden ist es endlich soweit, und die Kolonne meistert die letzte Hürde. Wir fahren nun geschlossen in unsere Herberge. Einige von uns fallen während der etwa 3 Kilometer langen Reise in einen kurzen Tiefschlaf, der später genügend Kraft gibt, das nächtliche Buffet im Hotel zu stürmen: Pommes Frittes erscheinen mir als bedenkenlos und ich verabschiede mich als Erster in die Koje.


Am Ruhetag besuchen wir diese im Bau befindliche Großstadt, die von einem Hügel aus betrachtet völlig irreal wirkt: enorm große Kaufhäuser, die zu einem riesigen Einkaufszentrum formiert sind und ganz auf die Kaufkraft des nördlichen Nachbarn abzielen. Die Infrastruktur ist für die Zukunft geplant, so verlieren sich auf der sechsspurigen Straße Richtung Grenze bzw. Hotel nur wenige Autos.

Auf einer kleinen Runde mit unseren Rädern werden wir hier von unzähligen Arbeitern und Autofahrern, ganz im Gegensatz zu den in sich gekehrten Russen, freundlich begrüßt oder angehupt. Wir rollen auf bestem Asphalt zum Flughafen. Alles ist nagelneu und befindet sich größtenteils noch im Bau. Auch ist es hier nicht ungewöhnlich, daß einem Geisterfahrer auf der Autobahn entgegenkommen: von einem Trecker winken ein Dutzend Arbeiter uns exotisch wirkenden Sportlern zu.


Die Stadt soll mittlerweile 400.000 Einwohner zählen, während es fünf Jahre vorher nur 50.000 waren und in fünf Jahren wohl 2 Millionen sein werden. China strebt also auch im Norden des Landes nach oben und so wird es für uns ein wenig verständlicher, warum die Rohstoffpreise auf den Weltmärkten in den letzten Jahren explodiert sind.


21. Juli - Etappe 5 Einzelzeitfahren in Manzhouli über 19 Kilometer

Heute steht also mit dem Zeitfahren eine Disziplin an, die ich zwar nicht beherrsche, aber vielleicht in dem Moment einen Achtungserfolg erzielen kann, wenn die Konkurrenz sich wegen Aussichtslosigkeit oder Materialproblemen zurückhält.

Bei Lex und Elmar ist klar, daß sie nicht unnötig Körner verschenken; Nikolai hat seinen Aufsatz nach dem Prolog gleich in Chita gelassen, und Markus habe ich erst gar nichts von einem Zeitfahren verraten...

Durch eine erneute Zeitumstellung bin ich jetzt in einem guten Rhythmus und gehe gute drei Stunden vor dem Start zum Frühstück. Leider sind die Türen zum Speisesaal noch verschlossen. Eine Stunde vorher setze ich mich aufs Rad, um die Muskeln vorzuglühen. Als ich 20 Minuten vor Beginn der Etappe wieder am Hotel bin, ist niemand mehr da, obwohl es hier losgehen soll!


Ich fahre wieder zurück, werde von meinem Materialwagen aufgelesen und habe noch 12 Minuten für die 8 Kilometer - daß nenne ich warmfahren Nordland-Hamburg lächelt

Selbstverständlich muß ich mich dafür ein wenig bücken, während manch anderer Konkurrent heute einen Überbrückungstag hat. Aber nach den ganzen Schontagen wollte ich mich mal wieder belasten - der Rest unserer Mannschaft geht es locker an und so erfahren wir nach einem weiteren Transfer, noch frisch geduscht und pitschnass, wer bester Deutscher war: meine Wenigkeit auf dem 20. Platz! Obendrein noch eine Punktlandung in die Preisränge, mit der nicht zu rechnen war, da sehr viele Konkurrenten mit Scheibenrädern und echten Zeitfahrlenkern angetreten sind.


Natürlich freut sich Markus auch für mich, wird aber zu Hause in Erklärungsnöte kommen, daß ein norddeutscher Radtourist einen Elitefahrer mit Vertrag hinter sich gelassen hat. Leider ist am Abend das chinesische Bier nicht nach Jedermanns Geschmack.


22. Juli - Etappe 6: Xin Ba Er Hu Zuo - Hulunbeier über 160 Kilometer

Nach einem ausgiebigem Frühstück sitzen wir mal wieder für einige Stunden in unserem Kleinbus und werden dann in dem heutigen Startort von einer begeisterten Menschenmenge empfangen. Es ist endlich mal wieder richtig sonnig, 30° C waren es schon am Morgen, der Wind sorgt für zügige Verdunstung. Und er schiebt uns heute Richtung Etappenziel.


Außer einer kleinen Startattacke eines Deutschen in Zusammenarbeit mit einem Usbeken, bleibt das Feld zusammen und es wird den ganzen Tag mit Druck auf dem Pedal gefahren. Der Durchschnitt liegt bei über 45 Kilometern pro Stunde, es gab Einigkeit im Feld, heute das erste Sprintfinale dieser Rundfahrt auszutragen. Damit es dazu kommen kann, fahren wir dann auch den ganzen Tag in zwei Windstaffeln, beide wenige Meter hintereinander. In der ersten soll es gesitteter zugegangen sein, hinten war mehr Platz, um Wellen zu fahren.


Im Finale des Etappenortes erwartet uns eine nagelneue Promenade, so neu, daß die Bauarbeiter sehr erstaunt sind, als wir plötzlich als wilde Horde einfallen. Vielleicht hätte ein wenig Werbung nicht geschadet und der Zielbogen nicht vor der Stadt aufgestellt werden sollen, denn bei der Fahrt zum Hotel zeigen sich die Einwohner an unserer Gruppe sehr interessiert.


Dafür wird dann später die Siegerehrung auf einem großen Platz mit Tauben und Böllerschüssen gefeiert - und wir feiern mit: Markus konnte sich heute im hektischen Finale vor einem Russen durchsetzen! Nachdem wir zu Anfang mit der Zeitumstellung und den Bergen zu kämpfen hatten, war man wohl der Meinung, alle Mitglieder unserer Mannschaft wären Touristen. Durch die weiteren Platzierungen von Nikolai (Siebter) und Lex (Zehnter) haben wir uns heute aber das erste Mal bewiesen. Nur: eine Schwalbe macht ja bekanntlich noch keinen Sommer...


23. Juli - Etappe 7: Hulunbeier - Manzhouli über 130 Kilometer

Ich wundere mich ein wenig, daß am Morgen viele Fahrer beim Frühstück erscheinen, da ja am Abend so reichlich an Essen aufgetragen wurde, daß eigentlich niemand innerhalb von 24 Stunden wieder Hunger bekommen müsste: ein einem runden Tisch wird auf einer Drehplatte ein Teller nach dem nächsten abgestellt, von denen später wieder halbvolle Platten abgeräumt werden müssen, weil wir mit dem verspeisen gar nicht nachkommen.

Wobei es sich im einzelnen handelte, kann ich nicht sagen, aber es sollen keine Hunde dabei gewesen sein!


In der neutralen Phase erfahren wir, da es nur eine Kurzetappe über etwa 130 Kilometer geben wird, der Grund ist das Ende der Autobahn, auf der wir den ganzen Tag fahren. Wir sind auf dem neuen Stück ohne Fahrbahnmarkierung unterwegs, teilweise klebt der Asphalt noch ziemlich am Reifen. Es ist wohl das erste Mal, daß ich längere Zeit im Feld mitfahren kann - wir haben Gegenwind.


Durch die seltsame Konstellation der punktstärksten Fahrer im Kamof um die Zwischensprintwertung, ist es für Markus möglich, hier noch den dritten Platz zu erzielen. Er gewinnt tatsächlich beide Sprints, der uneinholbar Führende dieser Wertung fährt lieber für sich selbst, als für den vierten, und so sind wir die taktischen Sieger dieses Trikots.

Durch einen Sturz auf der Kante vor der Sprintwertung und einigen Defekten unmittelbar danach, wird es recht hektisch, aber bis zu einem langen Zieher 5 Kilometer vor dem Ziel passiert sonst nichts mehr - und für mich an diesem Hügel auch nicht. Die anderen vier mischen aber wieder gut vorne mit, platzieren Markus vielleicht nicht optimal, aber noch so gut, daß er aus eigener Kraft als erster sein Vorderrad über den Strich fahren kann: Etappensieg Nummer zweiNordland-Hamburg lächelt

Die Stimmung ist super, der Transfer lang und die Ehrung der Sieger am Abend weniger würdevoll, aber gestählt durch viele organisatorische Schwächen, stört uns das nun auch nicht mehr.


Abreise

Für den nächsten Tag ist ab 11:00 Uhr der Rücktransfer inklusive Grenzpassage ins knapp 500 Kilometer entfernte Chita geplant. Um 22:10 Uhr bestellen wir in einer kleinen Kneipe unser Abendessen, wir haben zu diesem Zeitpunkt schon stolze 70 Kilometer zurückgelegt...


Der weitere Verlauf der Rückreise beschert uns immer wieder neue Herausforderungen, die wir so ziemlich alle ohne größere Verluste meistern. Dabei passieren wir dann den Baikalsee, spazieren auf der Hafenpromenade von Irkutsk und schleppen uns durch Moskau. Auch wenn dies noch einmal unerwartete Strapazen waren, so hat uns der gesamte Aufenthalt doch sehr beeindruckt. Ob wir aber noch mal an einen so entfernt gelegenen Ort dieses Planeten reisen werden, steht in den Sternen.


Eine ganze Anzahl von Bildern sind in der Galerie zu finden.