Wer rastet, der rostet. Also, nichts wie weg aus der Kälte und an die Startlinie eines Radrennens: In diesem Fall sind wir nach Katar aufgebrochen, um an vier Eintagesveranstaltungen und einer kleinen Rundfahrt teilzunehmen.
Bei starkem Wind ist Olli der erste Fahrer, der sich der Spitzengruppe anschließt, es folgt Andreas. Olli ist auch der erste Renner, der aus dieser Gruppe rausfällt, es folgt Andreas. Weiter hinten kann man keine Körner sparen, so daß Andreas schließlich der einzige Klassierte unserer Truppe wird.
Heute ist es etwas gemütlicher, so mancher mußte sich am Vortag doch arg anstrengen. Auf den letzten 20 Kilometern attackiert jeder aus dem übersichtlichen Feld heraus, aber am Ende setzt sich Klasse durch: mit Serge sehen wir unseren Sprinter auf dem Podium.
Nach einer Stadtrundfahrt durch Doha starten wir heute in einem Ort an der Grenze zu Saudi-Arabien. Eine kurze Attacke nach dem Start, danach wird anständig auf der Kante geritten. Das Feld zerfällt, irgendwie ist keiner wirklich mit seinem Abschneiden zufrieden. Das geht besser.
Bei erneut sehr starkem Wind steht doch so mancher Teilnehmer schon grau am Start. Auf der Autobahn wird wieder nur auf dem verschmutzten Standstreifen gefahren und bis zur Ausfahrt wird so mancher Aktive abgehängt, der sich zur direkten Rückkehr entschließt. In der Kopfgruppe verzweifelt Serge, da sich vier Tunesier mit einem Libyer in Zeitlupe davonstehlen, obwohl alle Russen Verfolgung fahren. Er wird dennoch guter Siebter.
Am Abend wird einem der vielen Einkaufszentren ein Besuch abgestattet.
Was macht man in einem Land mit mehr als 600 Kilometern Küste? Richtig, man fährt im Dezember an den Strand. Schade nur, daß es heute eher frisch ist, und niemand Interesse verspürt, ins Wasser zu springen. Wir beschäftigen uns daher mit Sandspielen. Vor unserer Rückkehr ins Hotel legen wir zusammen und zahlen an der Tankstelle für 28 Liter Benzin ganze vier Euro....
Am Abend würden wir gerne ein Hamam besuchen. Obwohl wir in Arabien sind, kann uns trotzdem niemand eines dieser Dampfbäder empfehlen. Es scheint sie hier nicht zu geben - Schade.
Nach dem das Mannschaftsfoto endlich im Kasten ist, geht es ohne Umwege an die Rampe dieser Zeitfahrprüfung. Nicht alle wählen den direkten Weg, aber es wird auch nach unserem Startsignal nicht gehetzt, sondern gemeinschaftlich losgefahren. Ohne eine gezielte Übung sind wir mit unserem Abschneiden unter den ersten Zehn zufrieden.
Auf derselben Runde des gestrigen Zeitfahrens stehen heute acht Umrundungen an. Das gibt uns die Möglichkeit, den Wind aus allen Richtungen zu genießen. Es entstehen viele kleine Grüppchen und am Ende des Tages erzielt Serge die Erkenntnis, daß er zu dieser Jahreszeit gegen die angetretene Konkurrenz einen offenen Sprint nicht gewinnen kann.
Die Nacht war kurz: statt um 14:00 Uhr wie an den letzten Tagen, fällt der Startschuß am Schlußtag bereits um 08:00 Uhr am Morgen. Eine Scheibe Brot im Auto muß ausreichen, und auf ein Einfahren wird verzichtet, denn trotz Sonne fehlt noch die gewohnte Wärme. Olli hat heute erneut Defekt und kommt erst zurück, als sich die verschiedenen Trainingsgruppen gebildet haben. Er fährt zusammen mit Karsten einen anständigen Streifen bis ins Ziel.
Serge und Andreas sind gewohnt aufmerksam und arbeiten gut zusammen. Es kann sich kein Fahrer entscheidend absetzen, so daß Serge mit der gestern gewonnenen Erkenntnis in einem Kreisel gut 1000 Meter vor dem Ziel seiner Intuition folgt: er attackiert! Er zeigt einen langen, langen Sprint von vorn - und er hat den richtigen Riecher gehabt, denn niemand kann an diesem Tag an ihm vorbeiziehen.
So nimmt unser Aufenthalt einen krönenden Abschluß, den wir in diesem Land vielleicht nicht gebührend feiern können, aber unserem Sprinter ein mehr als breites Lächeln und mehrere Stunden bei der Kontrolle bescheren. Bereits nach dem Abendessen verabschieden wir uns voneinander, da der Transfer zum Flughafen ansteht während ein kleiner Teil der Mannschaft noch eine Fahrt durch die Wüste anstrebt. So beenden wir das Jahr mit einem Erfolg, der uns auch Motivation für die kalte Jahreszeit in Deutschland bringen wird, bevor es im Frühjahr weitergeht.