Nordland Hamburg Radsport
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Tour de Okinawa 2008



Was kann es Schöneres für Exotikrenner geben, als in der Saisonpause einer Einladung auf eine japanische Pazifikinsel zu folgen?


Neben den beiden Renntagen, die hier von der Stadt Nago aus absolviert werden, ist noch genügend Zeit vorhanden, um bei strahlender Sonne eine Tour zum Strand, ein Bad im Meer oder ein Ausflug ins Eiscafe zu unternehmen.


Nach solchen Aktivitäten ist es trotz Zeitumstellung nicht schwer, abends müde ins Bett zu fallen und ausreichend Schlaf zu finden. Die Aufwärmrunde am Freitag stimmt die hellwachen Aktiven dann auch gleich auf die landestypischen Schauer ein - bei gut 30° C einigermaßen erfrischend.


Am Abend versuchen wir noch, einen frischen Bremsschalthebel für Dave zu organisieren, nachdem seiner bei der Anreise kaputt gegangen war - erfolglos. Als er dann am Morgen des Nago Kriteriums am Start steht, wissen seine Konkurrenten nicht, daß er die auf 30 Runden verteilten 51 Kilometer mit dem 13er fahren muß. Sie hätten vielleicht Mitleid gehabt...


Anfangs knallt noch die Sonne vom Himmel herab, so daß auf trockenem Untergrund flotte Einerreihe gefahren wird. Ein Schauer nach wenigen Runden führt aber schnell zu einigen Stürzen, die das Feld zerteilen. Nicht alle Renner, die am Start in der ersten Reihe standen, sind jetzt noch in den aussichtsreichen Gruppen unterwegs.


In der Spitze macht Meitan-Hompo, die schon den letztjährigen Sieger stellten, das Tempo. Sie fahren richtig ums Eck, so daß eine Menge Fahrer entweder abgehängt oder überrundet werden. Deswegen entschließen sich später die Kommissäre, die Karenz großzügiger zu berechnen. Dennoch werden nach diesem eher harmlosen Kurs am Sonntag 18 Renner weniger im Feld sein. Unsere Fahrer halten sich schadlos, nach Rennende biegen wir geradewegs zum Hotel ab. Nur El und sein Betreuer genießen noch einige Freigetränke auf Kosten des Veranstalters: man hat hier einen Aktiven zur Kontrolle definitiv ausgelost!


Bevor es am Nachmittag zur Präsentation geht, suchen wir das auf einem Berg gelegene Hotel der einheimischen Mannschaften auf. Dort erstehen wir einen mittelmäßig funktionierenden, zerkratzten Schalthebel eines italienischen Herstellers zum europäischen Neupreis. Dieser wird sicherlich den Ritt durch die Berge erleichtern - wird er sich aber auch amortisieren?


Auf die Minute pünktlich finden wir nach einer erfolgreich vermiedenen Abkürzung an die an der Rennstrecke aufgebaute Bühne zurück und betreten diese zusammen mit den Mannschaften aus Frankreich, Australien und Hong Kong. Der Höhepunkt dieser Zeremonie ist der Schwur des Führenden, alles für den morgigen Sieg zu tun. Offizielle, Anwohner und etliche Teilnehmer des parallel stattfindenden Jedermannrennens applaudieren - gemessen an der asiatischen Zurückhaltung - außergewöhnlich stark.


Radputz, eine kleine Ausfahrt mit dem Sportlichen Leiter oder Mittagsschlaf runden den ersten Renntag ab. Wir verzichten auf den gewohnten abendlichen Spaziergang, da das Rennen bereits um 06:50 Uhr gestartet wird. Natürlich geschieht dieses auf die Minute pünktlich, ungeachtet dessen es durch den Regen eigentlich noch halbwegs dunkel ist.


Nach 10 Kilometern sportlicher Fahrt läßt man den Japaner Fukuhara entkommen und rollt einträchtig im Bummeltempo bis zur ersten Bergprüfung, die bei dieser Fahrweise nach zwei Stunden beginnt. Der Ausreißer hatte zwischenzeitlich einen Vorsprung von über sieben Minuten, jetzt verringert er sich und es kommt Bewegung ins Feld.


Dennis hat aufgepaßt und ist vorgefahren. Unser Materialwagen schließt als Erster die Lücke zwischen Peloton und Spitze: die Freude ist groß, als unser Betreuer sieht, daß neben dem Flüchtling mit seinem Mannschaftskollegen und dem japanischen Meister auch zwei Nordland-Hamburg Trikots mit von der Partie sind. Nicht nur Dennis hat den Absprung geschafft, auch Dave ist es gelungen, sich am Hinterrad des Hompofahrers davonzustehlen.


Als unser Engländer sich anschickt, das Tempo am Berg zu forcieren, sind die Ausreißer nur noch zu viert. Er sichert sich fünf Punkte, die ihm heute Abend als Sieger dieser Wertung ein weiteres Spezialtrikot bescheren. Im Feld ist man langsam wach geworden und aus verschiedenen Gründen hat Drapac-Porsche die Verfolgung übernommen. Das ohnehin kleine Feld zerlegt sich an der zweiten Welle total: Lars und Karsten fahren in einer kleineren Gruppe bei nachlassendem Regen die Runde zu Ende.


Elmar hat nicht mehr seine strahlende Sommerform und mißachtet sträflicher Weise eine der wichtigsten Regeln seines Sportdirektors: Man steigt immer vor dem Regen und somit trocken (!) in den Besenwagen ein - oder eben gar nicht! Auch als seriöser Sportler muß man die Regeln der Grupettoprofis kennen.


Als die vier Flüchtigen noch 50 Kilometer ins Ziel zurückzulegen haben, glaubt Dave an die Aussage eines anderen Sportlers und erwartet jetzt eher flache Verhältnisse - weit gefehlt! Es geht ständig auf und ab, so daß Dennis etwas 20 Kilometer vor Nago an einer Ekelwelle ziemlich kraftlos seine Mitstreiter fahren läßt, um kurze Zeit später wie ein Stein durchs Feld zu fallen. Ein Hungerast führt ihn direkt zum Hotel, er schenkt sich die letzten 1000 Meter dieser Etappe.


Auch Dave gehen langsam die Beine auf, er wird in der Stadt von den zur Spitze aufgeschlossenen Rennern abgehängt und zwei Kilometer vor dem Ziel vom Feld gestellt. Die sportliche Dominanz der Japaner ist beeindruckend, Hompo feiert einen Doppelsieg, die Ausländer sind eher Statisten bei dieser Veranstaltung.


Nach einer kurzen Mittagspause geht es um 15:30 Uhr in das örtliche Sport- und Kulturzentrum, in dem die Sieger des 2.2 Eliterennens und die Schnellsten der Jedermannveranstaltung gemeinsam auf der Bühne geehrt werden. Zum Rahmenprogramm zählen einheimische Folkloretänze zu denen kostenfreie Landesspeisen und Bier der Regionalbrauerei gereicht werden.


Etwas überrascht, aber mehr als verdient, nimmt Dave die Blumen für den gewonnen Bergpreis entgegen, während der Directeur Sportive seinen Auftrag zur Völkerverständigung erfolgreich umsetzt. Nach unserer durchaus gelungenen Präsentation hoffen wir auf eine erneute Einladung im Jahr 2009. Diese Art Wochenendabenteuer ist aber auf alle Fälle eine Sache, die den Sport so richtig interessant und lebenswert macht.