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Tour de Hongrie 2008


Vom 22. bis 26. Juli 2008


Unsere Reise ins benachbarte Ungarn beginnt am Sonntag, dem 20. Juli, mit dem Start in der Weltstadt Hamburg. Über die Landeshauptstadt Hannover und die Gemeinde Kleinmachnow, vorbei an der Elbmetropole Dresden, Durchfahrt durch Prag, gelangen wir schließlich über Györ in die Donaustadt Budapest.


Dort komplettieren wir unsere Mannschaft durch den Flugreisenden Dave. Unser Fahrzeug, welches aus französischer Fabrikation stammt und den Modellnamen "Invasion" trägt, wird daraufhin mit 5 Rennrädern, 6 Männern samt ihrer Taschen und 19 Laufrädern beladen. Die weiteren drei Stunden bis zum Startort Gyomaendröd gestalten sich dann dementsprechend kuschelig.

Nach einer lockeren Stunde auf dem Rad verbringen wir die Nacht in einer kleinen Pension neben der lokalen Kirche. Abendprogramm: Fehlanzeige! Die Müdigkeit bremst uns und der Ort hat außer heißen Quellen eigentlich nichts zu bieten.


22. Juli - Etappe 1: Kriterium in Gyomaendröd über 79 Kilometer

Am Morgen nach dem Frühstück dann der Wetterumschwung. Nach mehreren Wochen der großen und mittleren Hitze fängt es an zu regnen - und der Niederschlag wird uns bis zu unserer Abreise begleiten.

Am Abend findet die erste Etappe in Form eines Kriteriums statt. Einige Attacken werden gestartet, wir halten uns aber gepflegt aus allen Positionskämpfen und Vorstößen heraus. Rollender Weise wird unserer Sprinter Matthias im Finale problemlos 23ter und darf damit am zweiten Tag alle Freiheiten des Kapitäns genießen.




23. Juli - Etappe 2: Balmazujvaros - Sátoraljaújhely über 182 Kilometer

Der heutige Tag beginnt mit einem Transfer über 120 Kilometer, viel Regen und der Suche nach einer Tankstelle. Während wir problemlos den Startort auch ohne Karte erreichen, der Regen im Rennen ab und zu nachlässt, gibt es keine Möglichkeit, den Tank unseres Fahrzeugs aufzufüllen.

Die 180 Kilometer bis in den Zielort würden unserer Sportliche Leiter Mats und der Gastbetreuer Timo (Team Profiline) sicherlich schaffen - wenn das Feld nicht einen Haken über 20 Kilometer fahren würde...

Eine solche Fehlleitung kann passieren, aber das abrupte Wendemanöver der Polizei führt zu einem Massensturz, bei dem sich einige Renner schwerer verletzen. Unser Kletterer Dave bricht sich das Handgelenk, wie sich gegen Mitternacht im örtlichen Krankenhaus herausstellt. An eine Weiterfahrt ist natürlich nicht zu denken.

Die zehnköpfige Spitzengruppe des Tages, die bei normalem Rennverlauf mit Sicherheit wieder eingeholt worden wäre, kann so trotz Zwangsunterbrechung einen knappen Vorsprung von 15 Minuten ins Ziel retten.

Wegen der geschilderten Versorgungsprobleme schaltet Mats vor der Bergwertung in den Spritsparmodus und stellt den Wagen an den Straßenrand - das nächste Mal nimmt er dann hoffentlich ein oder zwei Täschchen mit heraus, damit wir die Stunden des Wartens nicht splitterfasernackt auf der Bude verbringen müssen.
Neben den beiden deutschen Topmannschaften haben auch die Vertragsamateure von Milram keinen Mann in der Spitze und konzentrieren sich von jetzt an ebenfalls auf Etappensiege.


24. Juli - Etappe 3: Nové Mesto – Kosice / Slowakei über 129 Kilometer

Heute soll es eher entspannt zur Sache gehen, immerhin ist das Klassement unumstößlich am gestrigen Tage gemacht worden. Eine Bergwertung nach nur 12 Kilometern sondiert das Feld, so daß neben einer Spitze, in der Felix unsere Farben vertritt, zwei Felder in der Verfolgung sind.

Während Elmar den Sprung an die Spitze verpasst, fahren Matthias und Olli in der etwa 25 Mann starken Ortsgruppe. Es geht den ganzen Tag auf und ab, man trauert eher dem kleinen Loch hinterher, welches man hätte zufahren sollen und auch können.


Erst die Regenfälle der vergangenen Tage sorgen für Abwechslung: eine ausgewachsene Pfütze stellt sich und vor allen den Materialwagen 10 Kilometer vor dem Ziel in den Weg. Die Renner prügeln ihre Boliden bei einer geschätzten Wassertiefe von mehr als 40 Zentimetern durch die Furt, während die Nummer 14 aus der Kolonne ausgeschert ist, wendet und nun eine andere Straße ins Etappenziel sucht.


Mats wird von einem aufmerksamen Slowaken geleitet, verpaßt es aber, Felix ein Fläschchen zu bringen - dieser fällt aus der Spitzengruppe zurück und rettet sich als Zwölfter ins Ziel.


Die Heimreise gestaltet sich als die nächste Herausforderung, da die weniger ausgelasteten Fahrer die Karten weiterhin unter Verschluß halten. Wir folgen so einem bayrischen Mobil, welches es bergab mit Rückenwind auf freier Strecke auf satte 80 km/ h bringt - es werden alle mächtig in die Sitze gepresst. Unsicher werden wir erst, als uns der Fahrer mitteilt, er wolle in der Ukraine günstig einkaufen und daher einen mehrstündigen Umweg in Kauf nehme.
Natürlich vertrauen wir unseren Pappenheimern blindlings und kommen so nach weniger als 2 1/2 Stunden in unserer Unterkunft an. Wie war eigentlich die Siegerzeit...?


25. Juli - Etappe 4: Sátoraljaújhely – Bükkszek über 233 Kilometer

Mit real gefahreren 240 Kilometern handelt es sich heute um eine wahre Königsetappe. Und von Kilometer eins an in der ersten Reihe: Felix! Der hat ja gestern mal die Kolben getestet und will es heute erneut wissen. Weiter hinten quälen sich der Sprinter Stolli, Olli, sich weit vor den Autos im Feld bewegend, und der kleine Zwicker Elmar über die Berge der verschiedenen Kategorien. Eine Panne von El kann aber nicht mit einem Laufradtausch behoben werden, da Mats gerade einen Schlenker durch die wirklich schöne Natur fährt. Die Konkurrenz schläft oder ignoriert unseren Kletterer und schon waren wir wieder einer weniger.


Während die Spitzengruppe von einem Österreicher, der Mannschaftfunk benutzt, darüber informiert wird, daß sich das Feld mal wieder verfahren hat, gehen Olli langsam die Lichter aus. Obwohl das Tempo an den ersten Bergen fast als gemächlich zu bezeichnen ist, hat er doch seriösen Sport betrieben und sein Pulver verschossen. Die Dame im Besenwagen wird von Minute zu Minute nervöser und weist ihn an, einzusteigen.
Ein Mal wird diese Aufforderung ignoriert, aber sich der Kosten einer solchen Verweigerung bewußt, steigt er nach knapp 200 Kilometern ein - um abends enttäuscht festzustellen, daß die Karenzzeit problemlos zu schaffen gewesen wäre.


Während die Stimmung im Auto als leicht angespannt bezeichnet werden kann, ist sie im Ziel auch nicht viel besser: unser Flüchtling wird zwar Dritter, war aber der Endschnellste, wußte allerdings auch nicht, daß 300 Meter vor dem Ziel eine scharfe Rechtskurve kommt. Er biegt als Sechster ums Eck und wird Dritter. Erst ist er unzufrieden, schließlich gibt er sich mit diesem Resultat zufrieden, da er weiß, wer der Stärkste in der Gruppe war!
Die Nacht verbringen wir in einer Blockhütte, auf deren Inneneinrichtung mit Sicherheit schon Soldaten des Kaisers die Nacht verbracht haben. Wie gut, daß wir wegen unserer langen Anreise Zelte und Schlafsäcke mitgebracht haben.


26. Juli - Etappe 5a: Bükkszek – Bükkszentkereszt über 132 Kilometer

Der Tag beginnt etwas hektischer als normal, da die Etappe nicht wie an den anderen Tagen am Mittag, sondern schon um 09:00 Uhr morgens gestartet wird. In dem kleinen Örtchen, in dem wir die Nacht verbrachten, gibt es weder einen Verbrauchermarkt geschweige denn eine Tankstelle. Also gilt es, unser Auto mit Sprit zu befüllen, um der Erfahrung vom zweiten Tag vorzubeugen.


Rechtzeitig sind wir an dann an der Strecke um eine Ausreißergruppe anzufeuern. Ein Mannschaftskamerad von uns ist dabei: natürlich Felix! Er hat sich mit einem anderen Fahrer davongestohlen und wird später von weiteren Rennern Gesellschaft erhalten.
Am 10 Kilometer langen Schlußanstieg fährt er auf einem kleinen Flachstück Attacke, führt 300 Meter vor dem Ziel die Verfolger hinter dem alleinfahrenden Ferdi Bruckner an - und verliert noch 20 Sekunden auf seine direkten Konkurrenten. Es war zu steil, die Beine nach drei Tagen in den Ausreißergruppen etwas angeschlagen und dennoch eine ganz starke Leistung!


Im Zielbereich bietet ein Landsmann mit ungarischen Wurzeln seine Hilfe, auf der Suche nach einer Werkstatt an. Diese hat zwar geschlossen, wir lernen aber unter seiner Führung auch die entlegendsten Stellen dieser schönen Region kennen.


26. Juli - Etappe 5b: Kriterium in Miskolc über 69 Kilometer

Wir verlassen die Kantine mal wieder als Letzte, nehmen den direkten Weg zum Startort, nicht ohne noch einmal nach eine Reparaturgelegenheit zu schauen, und kommen tatsächlich gleichzeitig mit den anderen Mannschaften in der Zentrumsnähe an. Die Sonne scheint, so daß zumindest die Kriteriumsspezialisten motiviert sind.


Es sieht zunächst auch gut aus, aber ein heftiger Schauer nach zwei Dritteln des Rennens läßt die Straßen schmierig werden und so mancher Aktiver läßt die nötige Risikobereitschaft aus verständlichen Gründen sinken. Es iegt schließlich mit Mitja Schlüter ein weiteres Mal ein Deutscher von Milram.


Unserer Truppe hat es trotz des verbesserungsfähigen Wetters, einfacher Unterkünfte und rationiertem Essen sehr gut gefallen und so planen wir schon für das nächste Jahr - um mit den Erfahrungen von heute den erhofften Etappensieg einzufahren!





Bilder des Rennens sind in der Galerie zu finden.