Nordland Hamburg Radsport
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Tour du Cameroun 2009



Mittlerweile ist es für Hamburgs aktivste Radreisemannschaft ein klassischer Saisonstart: die Kamerunrundfahrt. Es beginnt mit einer Autofahrt nach Brüssel, es geht weiter mit dem Flieger nach Douala, von dort mit einer Fokker in den Norden - mit den modernen Fortbewegungsmitteln sind wir im Nu vor Ort. Ein Tag der Eingewöhnung an die knapp 40° C ist uns gegönnt und schon sind wir bereit, Rennen zu fahren.


17. Februar - Etappe 1: Moutourwa – Kaélé - Maroua über 149 Kilometer

Die Schwierigkeiten bei der Umstellung von der Kälte in die Hitze sind uns bekannt, dennoch haben wir mindestens einen Klassementfahrer, den es zu unterstützen gilt.


Natürlich wird von den heimischen Fahrern vom Start weg attackiert und so versucht nach gut einem Drittel der Strecke eine europäische Verfolgergruppe, die zwei Minuten nach vorn zuzufahren. Karsten und Dave sind mit von der Partie:

Dem Helfer grauset`s, er fährt geschwind
Er hat im Rücken den ächzenden Wind,
Erreichen die Gruppe mit Mühe und Not,
Der Kapitän ist vorn, der Helfer tot.



Olli hat rechtzeitig rausgenommen und rollt die letzten 50 Kilometer zusammen mit Lars und Karsten ins Ziel. Eine viertel Stunde Rückstand sind kein Beinbruch, Hauptsache, der Motor wird nicht überdreht - was bei Karsten fast danach aussieht. Wenig später trudeln auch die Herz-Brüder mit roten Köpfen ein. Bei ihnen stand die gefühlte Geschwindigkeit im Gegensatz zu den realen 22 km/h...


18. Februar - Etappe 2: Kriterium Garoua über 109 Kilometer

Vom Vortag erfeulich gut erholt, freuen wir uns über eine leichte Runde durch die Randgebiete der Stadt. Im Finale sind sich die Sprintermannschaften nicht einig, so daß eine drei Mann starke Gruppe einen kleinen Vorsprung ins Ziel rettet. Ein weiterer fünfstündiger Transfer soll den Tag abrunden.


Dies kann aber erst passieren, nachdem einige Angehörige der Polizei und Armee den Insassen unseres Busses klarmachen, daß man bei 40° C Außentemperatur und gefühlten 80° C Innentemperatur, das Fenster nicht komplett auf- oder zumachen darf. Böse Blicke der Frierenden und schmunzelnde Gesichter der Schwitzenden werden daraufhin bis zum Eintreten der Dunkelheit ausgetauscht.


19. Februar - Etappe 3: Ngaouyanga – Ngaoundéré über 79 Kilometer

Heute geht es das erste Mal bergig zur Sache, auch wenn die Distanz bescheiden ist, wird eine Vorentscheidung fallen. Dave und Karsten sind über den Anstieg unterrichtet und fahren zusammen mit zwei Slowaken und zwei Einheimischen in der Spitzengruppe. Gute Arbeit. Vor allem für Karsten, der vorgestern noch aussah wie der Tod auf Latschen. Der Rest der Mannschaft versucht, möglichst kraftsparend das Ziel zu erreichen.


Nach einer kurzen Dusche im Hotel, bewegen wir unsere Räder zum Flughafen der kleinen Ortschaft. Die zwei Kilometer spulen wir in zwanzig Minuten runter, danach packen wir alles in die Taschen - und helfen nach der Landung unserer Maschine den Kofferschleppern beim Verladen, denn es wäre zu schade, wenn wir zwei Tage ohne unsere Habseligkeiten auskommen müßten...


20. Februar - Etappe 4: Pouma – Kribi über 159 Kilometer

Seit gestern fährt Dave nun im Bergtrikot, so daß wir jetzt gelegentlich die letzten Positionen im Feld verlassen müssen, um mal vorne nach dem Rechten zu schauen. Mit einem Pünktchen an der Bergwertung und einem anschließenden Hinterradwechsel ist fast alles zur heutigen Etappe gesagt. Wären noch die Attacke von Karsten und der Spurt von Serge zu erwähnen.


Er schafft es auf das Podium und wir auf die Holzstühle einer Kneipe, um uns das Warten auf die Siegerehrung mit einem kohlesäurehaltigem Erfrischungsgetränk zu erleichtern. Nach einem Tag bei 40° C feuchter Hitze genau das Richtige. Zur Erholung springen wir vor der Dusche noch ins Meer. Das Mittagessen verpassen wir deshalb, immerhin ergattern wir um 22:30 Uhr ein paar Kleinigkeiten beim Abendessen...


Ruhetag in Kribi

Nach dem Reisestreß der letzten Etappen und den doch sehr heißen Rennkilometern, kommt die heutige Entspannung und Ruhe gerade richtig. Wir gehen ans Meer, kaufen ein oder versuchen, zum weltweiten Netz Zugang zu finden. Dieser Tag geht natürlich viel zu schnell vorbei.


22. Februar - Etappe 5: Kribi – Douala über 176 Kilometer

Am Ortsausgang geht es auf die Reise. Geradeaus. Auf der zweiten Hälfte auch hoch und runter. Die Ausreißer werden rechtzeitig gestellt, es wird gesprungen und auf der Zielgeraden gesprintet: mit einem Doppelerfolg für Geofco Jartazi und einem guten dritten Platz für Serge wird ein langer Tag auf dem Rad erfolgreich abgeschlossen.


23. Februar - Etappe 6: Mbanga – Bafang über 125 Kilometer

Nachdem auf der gestrige Etappe die Maschinen wieder auf Belastung eingestellt wurden, soll in den Bergen eine Kolbenprobe folgen. Karsten und Dave fühlen sich gut, sie fahren mit Auge und starken Beinen. Dave versucht, sich vom Feld davonzumachen. Mit Erfolg! Er gewinnt mit einem Slowaken am Hinterrad souverän die schwere Ankunft und übernimmt mit kleinem Vorsprung das Gelbe Trikot.


Die Sprinter der verschiedenen Mannschaften, die im Finale eine Chance witterten, da sie auf das Etappenprofil des Tourbuchs vertrauten, verlieren zwischen 10 und 15 Minuten auf den letzten 20 Kilometern. Aber auch ihnen wird die Möglichkeit gegeben, sich auf den 15 Kilometern bis zur Unterkunft auszufahren. Gut für die Muskeln, schlecht für Lars, da er von einem Materialwagen in den Graben gedrängt wird, so daß seine Knie blutig sind.


24. Februar - Etappe 7: Bafang – Bamenda über 139 Kilometer

Bevor wir heute zum ersten Mal das Führungstrikot verteidigen können, müssen wir uns zuerst einmal das Frühstück erobern. Unsere Mannschaft erleidet dabei keine Verluste, die Konkurrenz macht sich das Leben allerdings gegenseitig schwer, das Geschirr wird bis zur Einschreitung der Polizei und des Militärs in Mitleidenschaft gezogen.


Die Bergwertungen erwarten uns in der ersten Rennstunde. Olli verabschiedet sich gekonnt mit einem Defekt, Karsten springt als Aufpasser in die Spitzengruppe. Trotz guter Leistungen der helfenden Renner ist Dave zur Hälfte der Etappe auf sich allein gestellt. Es steht auf Messers Schneide, bis ein Franzose mit einsteigt und hilft, den Rückstand überschaubar zu halten.


Als wieder Tempo in die Gruppe kommt und aus den Hügeln ein Berg wird, fährt man die Ausreißer fast noch auf. So aber kann sich Karsten einen verdienten Podiumsplatz sichern und mit nur einer Minute Rückstand kommt Dave angefahren. Er hat im Finale sogar noch seinen gefährlichsten Konkurrenten im Klassement distanzieren können.


25. Februar - Etappe 8: Bamenda – Bafoussam über 79 Kilometer

Das Tal wird über den 1800 Meter hohen Berg verlassen, den sich am gestrigen Tage die Aktiven heruntergestürzt haben. Nach zwei Kilometern beginnt der Anstieg, alle wichtigen Teilnehmer dieser Rundfahrt sind vorne, danach folgen dann alle weiteren in verschiedenen Gruppen. Daves Führung ist zu keinem Zeitpunkt in Gefahr; Karsten macht, was er am besten kann: er tritt in der Gruppe aufs Tempo und verdient sich so das Rote Trikot des aktivsten Fahrers.


Das Hotel ist ruhig gelegen, das wirklich gute Essen leider rationiert, und die nächste Stätte der Erholung mit der Möglichkeit auf den Erwerb flüssiger Verpflegung nicht weit. Wir sind zufrieden und genießen die kühle und fast schon klare Luft des 1200 Meter hoch gelegenen Ortes. Der Wille, das Trikot bis nach Yaounde zu bringen, läßt die Renner früh in ihre Betten marschieren.


Ruhetag in Bafoussam


Die Beine brauchen heute natürlich ein wenig Bewegung, dabei soll aber auch eine kleine Erfrischung von außen und später von innen nicht fehlen.


Der heutige Wasserfall ist sogar noch ein wenig größer als der letzte und so wird die sonnenverbrannte Haut gleich mit abgeperlt. Material- und Körperpflege runden den Tag ab.



27. Februar - Etappe 9: Bagangté – Bafia über 122 Kilometer

Die obligatorische Wartezeit auf das Frühstück ist etwas länger als gewöhnlich, aber wir kämpfen mit den anderen in diesem Hotel einquartierten Teilnehmern um eine Position in der ersten Startreihe. Währenddessen ruft der Radsportpräsident an, um sich zu erkundigen, ob die fehlenden Mannschaften so nett wären, zum Start zu kommen.


Nach einigen Attacken bildet sich eine Spitzengruppe und unsere Mannschaft fährt von vorne. Für einige Fahrer doch sehr ungewöhnlich... Aber man zollt den Kameraden des Gelben Respekt und auf den letzten Kilometern kommt das Feld richtig in Schwung, um einen Massensprint herbeizuführen. Letztendlich fehlen wenige Sekunden, so daß der erfahrene Este Jaan Kirsipuu seine Fluchtgefährten im Sprint schlagen und so seine Etappe gewinnen kann.


Bei uns sind leider zwei Fahrer auf den letzten Kilometern beim Passieren einer Mautstation in einen Sturz verwickelt, aber Niko und Lars beißen die Zähne zusammen und werden am Finaltag sicherlich zur Stelle sein. Die freundliche Atmosphäre im Zielort können wir nicht lange genießen, da ein Transfer nach Yaounde ansteht. So können wir schon mal das morgige Profil kennenlernen - für einige Konkurrenten eine nützliche Information, um die abendliche Freizeitgestaltung zu planen.


28. Februar - Etappe 10: Bafia – Yaoundé über 132 Kilometer

Mit dem Blick nach vorn und dem Willen zum Sieg stehen wir am Start des letzten Teilstücks. Wir müssen mit vielen Attacken rechnen und können uns nicht auf dem Vorsprung Daves ausruhen. Wir werden nicht enttäuscht. Es geht hart zur Sache, doch bald steht eine Gruppe, die wir nicht mehr einholen müssen. Zwar kommt nur die halbe Mannschaft mit dem Feld auf dem Boulevard des 20. Mai an, den Sieger müssen wir nicht fürchten. Sein Vorsprung ist dennoch außergewöhnlich groß.


Das große Abenteuer erleben Niko, Serge und Olli zusammen mit einem Franzosen: die nicht mehr gesperrten Straßen bis zum Ziel sollen frei gehupt werden. Und wer hier nicht freiwillig zur Seite fährt, setzt sich den Schimpfkanonaden der auf unseren verschiedenen Begleitfahrzeugen sitzenden Tourhelfern aus. Das ist aber erst der Anfang: Je näher wir dem Ziel kommen, desto mehr Verkehr schiebt sich durch die Straßen - und die Lücken zwischen den Autos werden kleiner. Also sorgen die Fahrer für ausreichend Schwung, um durchzukommen. Kotflügel und Außenspiegel gibt es hier gebraucht zu kaufen...

Dave ist beim Eintreffen der Nachzügler bereits zur Siegerehrung eskortiert worden und außer den Pokalen bekommt er dort von den Podiumsdamen auch einige Einladungen auf ein Eis. Natürlich hält er sich zurück und konzentriert sich auf die morgige Ausfahrt.


Nachdem alle Gespräche mit den Fernsehsendern und Hörfunkstationen beendet sind und die wichtigsten Verantwortlichen ein gelbes oder gepunktetes Trikot geschenkt bekommen haben, wird uns die Zusage abgerungen, beim nächsten Rennen unbedingt wieder dabei zu sein. Wir werden sehen, ob es ohne Hindernisse klappen wird.


Die Rückreise ist ein wenig zeitintensiv aber nicht so chaotisch wie sonst. Auch die Komplettorganisation war dieses Mal tadellos und die Verspätungen im grünen Bereich. Es wurde hier seriöser Sport getrieben und die Veranstalter lernen jedes Jahr dazu. Natürlich erlebt man hier noch ein echtes Radsportabenteuer, aber im Vergleich zu früheren Austragungen, kommt man nicht als ausgemergeltes Gespenst zurück.




Weitere Bilder der Reise sind in der Galerie zu finden.