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Vuelta del Uruguay 2009



Mit der Einladung nach Südamerika kann unsere Mannschaft heuer nicht nur an einer weiteren Landesrundfahrt teilnehmen, sondern auch das erste Mal unsere Trikots auf einem für uns neuen Kontinent präsentieren.


Bedingt durch die Zeitverschiebung reisen wir früher als gewohnt an und treten schon den einen oder anderen Kilometer, bevor es am Nachmittag für die Sonnenanbeter unter uns an den Strand geht.


3. April - Etappe 1: Montevideo - Maldonado über 147 Kilometer

Am Freitag beginnt das Rennen auf der Hauptsraße Montevideos neutral, bevor am Strand noch mal angehalten wird. Dabei werden die hinten Stehenden dadurch bestraft, daß beim realen Start über nasse Straßen - bei bestem Sonnenschein! - gefahren werden muß...

Die 26 teilnehmenden Mannschaften bilden ein großes Feld, welches auch auf den großen Ausfallstraßen weitesgehend zusammen bleibt. Erst später werden durch die härter werdenden Windkanten einige Gruppen abgehängt. Ansonsten ist aber alles ruhig und der Ausreißer wird rechtzeitig vor Maldonado eingefangen.


Wir werden in einem wunderschönen Badeort untergebracht und können bei knapp 30° C den Rest des Nachmittags mit Sandspielen verbringen. Am Abend machen wir einen Gang durch den Hafen, bevor wir uns die Zusammenfassung im Fernsehen anschauen. Auf den Hinweis an die Bedienungen einer Kneipe, daß wir gerade im Bild zu sehen sind, ist die Reaktion eher mäßig, so daß wir allein Richtung Unterkunft verschwinden.


4. April - Etappe 2: Maldonado - Ramallo über 158 Kilometer

Für eine angekündigte flache Rundfahrt steht heute nicht wenig Profil auf dem Programm. Aber erstmal müssen wir uns einschreiben und die Gesichter strahlen förmlich, als wir dort auftauchen. Von der halben Stunde, die wir bis zum Start zur Verfügung haben sollten, bleiben nur vier Minuten übrig, so daß wir schnellstens über den Mittelstreifen zur Startaufstellung hetzen.

Kaum angekommen geht es auch schon los. Gut, daß bei 19° C, nassen Fahrbahnen und Harzprofil volle Trinkflaschen eher von Nachteil wären. Durch einen überaus sportlichen Start mit reichlich Kantenwind bilden sich rasch viele Gruppen. In dieser Phase springen die Guten nach vorne und verabschieden sich die Gemütlichen nach hinten. Irgendwann wird es im Hauptfeld ruhiger und bis auf die 25 Mann, die es vorziehen, in der Ortsgruppe zu fahren, vertagt man die Selektion auf die beiden bevorstehenden Hügel.


Der Schlußanstieg ist dann auch schon auf große Entfernung zu sehen, wobei zu diesem Zeitpunkt die Tachos der Aktiven schon jetzt deutlich mehr Kilometer als angekündigt anzeigen. Im großen Feld springt eine kleinere Gruppe auf den letzten Kilometern davon und sie kommen kurz vor Christian ins Ziel: laut Ergebnis mehr als 2:30 Minuten.

Elmar ist im Finale so platt wie sein Reifen in den ersten Rennminuten und er verdient sich den letzten Platz. Bis zum Hotel sind es jetzt nur noch 10 Kilometer lockere Fahrt und auf dem Gelände desselbigen nur steile aber keine langen Anstiege zu bewältigen.


5. April - Etappe 3: San Jacinto - Durazno über 179 Kilometer

Das Klassement wurde gestern gemacht und die Sonne ist auch wieder da. Also auf ein Neues. Es wird nicht mehr ganz so hektisch wie an den letzten beiden Tagen gefahren, dennoch hat Torsten Pech und er steigt unfreiwillig vom Rad. Die Tapete ist ab und die Hüfte schmerzt, aber selbstverständlich beißt er sich durch.

Vermutlich wäre er auch problemlos mit dem Peloton angekommen, wenn sich nicht 30 Kilometer vor dem Ziel sein rotes Mäusekino mit einem Flug durch das Feld verabschiedet hätte. Aber bei 200 Dollar pro Etappensieg können wir gar nicht soviel Kohle einfahren, wie für eine Neuanschaffung nötig wäre. Er hält also an und sammelt es auf.


Im Finale geht es zur Sache, nicht alle Renner kommen durch die Kreisel. Auch ein Motorblock großes Loch vor der Zielkurve wird nicht ausgelassen. Hinten gibt es eine Rangelei und der auf dem Motorrad zur Schlichtung herannahende Kommissär muß auch Prügel einstecken. Der Faustkämpfer versucht auf seiner letzten Etappe dieser Rundfahrt obendrein Tritte auszuteilen, was nur teilweise gelingt. Mit soviel Energie könnte man eigentlich vorne reinhalten...


Viktor versucht sich darin und kommt unter die ersten 20. Er ist nicht ganz zufrieden, an seinem Geburtstag wären ein paar Blumen schön gewesen. Unser Betreuer Chester interessiert sich dagegen für Gratiseis, welches im Zielort verteilt wird.

Während der Rest der Mannschaft darauf wartet, daß Torstens ärztliche Behandlung abgeschlossen ist, wird Elmar einkassiert und zur Kontrolle abgeführt. Bleiben also nur drei Aktive übrig, die die Tochter und ihre Freundin unseres zur Verfügung gestellten Betreuers Alejandro kennenlernen können.


6. April - Etappe 4: Trinidad - Fray Bentos über 175 Kilometer

Mittlerweile haben wir uns auch an die durchaus frühe Weckzeit und den anschließenden Transfer gewöhnt: Meist schon vor 06:00 Uhr bimmelt irgendwo ein Telefon, danach trotten wir zum Frühstück. Meist werden wir nur mit schwarzem Wasser anstelle von Kaffee aber netten Croissants und Brot versorgt. Hinterher chauffiert man uns mit dem Bus in die etwa 100 Kilometer entfernten Startorte. Wenigstens diese Zeit kann man zum Dösen nutzen, wenn nicht ein Spaßvogel auf die Idee kommt, daß buseigene Dixie zu testen.


Die Teilstücke dieser Tour sind alle etwa gleichlang und die amerikanische Mannschaft Kelly Benefits kann das Feld bisher so gut zusammenhalten, daß es noch keine Fluchtgruppe ins Ziel geschafft hat. Nebenbei feiern sie heute ihren vierten Tagessieg in Folge und wir unser nächstes Geburtstagskind: Christian bezahlt heute die Getränke.


Sportlich konzentriert sich Viktor heute mit guten Beinen ganz besonders, um im Sprint aufs Podium zu kommen. Nach einer kurzfristig organisierten Massage am gestrigen Tag durchaus möglich. Es klappt nicht ganz, aber er ist mit seinem vierten Platz am vierten Renntag des Jahres durchaus zufrieden. Wir natürlich auch.

Danach wartet die Mannschaft diesmal auf Olli, der die letzten 20 Kilometer alleine absolviert.



7. April - Etappe 5: Young - Salto über 174 Kilometer

Die Tour geht weiter entlang des Rio Uruguay Richtung Norden. Das erste Mal erreicht eine Ausreißergruppe mit wenigen Sekunden Vorsprung das Ziel. Aber auch diesmal gewinnt eine amerikanische Mannschaft: Aerocat Cycling Team hat die Nase vorn.

Wir bringen unsere Trinkflaschen zum Auto, lächeln in etliche Kameras oder Mobiltelefone und fahren zu unserem Hotel in die Innenstadt. Auf dem Weg zum Mittagessen verreckt unser Materialwagen zum wiederholten Male und sagt uns so, wir sollten uns besser ein anderes Gefährt suchen, wenn es am Abend nach Argentinien gehen soll.


Gesagt getan und schon sitzen wir in einem Kleinbus mit einem einheimischen Fahrer, der die Fahrt nach Concordia für ein Wettrennen hält. 90 Minuten verbringen wir bei zwei Aufenthalten an den Grenzstationen, 180 bei einer Pause der landestypischen Gastronomiebetriebe. Preis und Flaschengröße wie gehabt.


Die Nacht ist kurzweilig, wir beschäftigen uns mit Mückenjagden oder aufwendigen Umzügen, um den Schnarchern aus dem Weg zu gehen. Beides entpuppt sich als hoffnungslos.


8. April - Etappe 6: Pº Constacia - Mercedes über 171 Kilometer

Die oder besser gesagt der weniger gut Trainierte zollt dem nächtlichen Streß Tribut und wird an einer eher harmlosen Windkante abgehängt. Das Feld bleibt erneut hinter den Ausreißern zurück und fegt den letzten Kilometer dennoch spektakulär durch die Stadt: in einer riesigen Staubwolke schießt es auf sehr unebener Straße Richtung Zielstrich.


Unser Feldkapitän hat die Sprintbeine ausgetauscht und rollt unbehelligt mit. Olli ist mal wieder als Einzelkämpfer unterwegs und macht es eigentlich wie immer, allerdings lernt er am heutigen Abend eine neue UCI-Regel kennen: Am Auto hängen wird mit Disqualifikation bestraft!


Die kommende Bleibe steht uns zwei Tage zur Verfügung, liegt zentrumsnah aber dennoch ruhig und serviert rund um die Uhr ganz annehmbaren Kaffee, welcher bisher eher Mangelware war. Der Materialwagen wird zur Mittagszeit getauscht - wir sollen einen Volkswagen bekommen - so daß wir auf dem Weg zur Verpflegungsausgabe in einem argentischen Kleinbus sizen dürfen. Bei den Kubanern wollten wir nicht mitfahren, die haben nämlich unser Auto bekommen...


9. April - Etappe 7: Mercedes - Dolores (EZF) über 34,5 Kilometer

Vom Kopf her steht heute ein Ruhetag an. Das Einzelzeitfahren ist ohne gescheites Material eine Pflichtaufgabe, die es zu absolvieren gilt, mehr nicht.


Bei strammen Gegenwind liegt unser Bester acht Minuten zurück, wir verlieren aber niemanden wegen Karenzzeitüberschreitung. Es bleibt ausreichend Zeit, das Material auf Vordermann zu bringen und eine Verwandte Alejandros zu besuchen, die sich um die Wäsche kümmert. Ruhetag halt.


10. April - Etappe 8: Mercedes - Carmelo über 161 Kilometer

Nach einer Woche sind die Beine nicht mehr ganz so frisch und so verwundert es nicht, daß wir heute mal ausnahmsweise niemanden in der Spitzengruppe haben. Das Feld hat sich auf der Windkante komplett zerlegt und ist nur aufgrund der schnell nachziehenden Materialwagen so groß geblieben. Das Führungstrikot wechselt heute das vierte Mal, die Helfer kommen aus derselben Mannschaft und sind langsam richtig grau.


Wir sind erneut in einem Ort mit einem wunderschönen Strand und einem Hotelzimmer direkt an der Straße. Direkt heißt in diesem Fall: weniger als ein Meter, im Erdgeschoß gelegen und Wände dünn wie Papier. Da können wir sogar den schleifenden Schnürsenkel eines Spaziergängers hören. Oder die Gesänge Betrunkener, die sich des Nachts in unsere Pension verirren und ein echtes Höllenspektakel veranstalten.


11. April - Etappe 9: Carmelo - San Jose über 175 Kilometer

Der größte Teil der Strecke wird durch Rückenwind begünstigt, so daß nur wenige Möglichkeiten für stramme Kantenaktionen bleiben. Dennoch gibt es sie und unsere Kämpfer haben das Nachsehen. Die Urus treten immer stärker drauf und gewinnen ihre zweite Etappe.


Untergebracht werden wir in einer Art Ferienlager: Alle Fahrer und Betreuer einer Mannschaft in einem Raum. Quietschende Bettgestelle, knarzende Türen und Bettwäsche aus Plastik - nach neun Etappen auch egal, alle sind müde.


12. April - Etappe 10: San Jose - Montevideo über 154 Kilometer

Das anfangs etwas spärliche Frühstück wird durch frisch gebackene und wirklich sehr schmackhafte Brötchen - selten gab es so Gute! - mehr als aufgewertet. Sie sind gehaltvoll und geben Kraft für eine sportliche Schlußetappe.


Es werden die nördlichen Stadtteile passiert, bevor es einmal die komplette Hauptstraße von Ost nach West hinein ins Zentrum geht. Vorweg die Tourkarawane. Mit dabei: Segio, der Chauffeur der Dixies. Auch er fährt seinen Ducato mit den Mobilaborten durch Montevideo. Natürlich mit wildem Hupkonzert und offenen Fenstern.

Am Straßenrand haben sich Tausende Zuschauer eingefunden, die das Spektakel erst im Hörfunk und für wenige Sekunden dann direkt verfolgen. Die Stimmung ist da, die Geschwindigkeit hoch, der Sprint schnell - und keiner unserer Fahrer in einer aussichtsreichen Position. Im nächsten Jahr vielleicht.


Was uns bleibt, ist ein positiver Eindruck eines südamerikanischen Landes, ein perfekt organisiertes Rennen mit einem riesigem Starterfeld, ausgetragen auf guten Straßen und flachen Etappen. Ideale Vorbereitung für die kommenden Verbandsmeisterschaften.




Weitere Bilder aus Uruguay sind in der Galerie zu finden.